Mehr Öl für Schwedt zugesagt: Wasserstoff-Projekt 2025

Die Öl-Raffinerie PCK gilt als Sorgenkind von Bund und Land. Wenige Wochen nach dem Verzicht auf russisches Öl sind Unsicherheiten nicht passé, aber Zuversic...

ARCHIV - Anlagen zur Rohölverarbeitung stehen auf dem Gelände der PCK-Raffinerie GmbH.
ARCHIV - Anlagen zur Rohölverarbeitung stehen auf dem Gelände der PCK-Raffinerie GmbH.Christophe Gateau/dpa/Archivbild

Schwedt/Oder-Die Zeit der Unwägbarkeiten für die Öl-Raffinerie PCK in Schwedt ist nicht vorbei. „Für eine gewisse Zeit wird es noch schwierig sein, wir sind ja noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Doch Bund und Land verbreiten wenige Wochen nach dem Stopp für russisches Öl vor allem Aufbruchstimmung und nicht die Sorge, dass der Raffinerie das Öl ausgeht. Sie versicherten bei einer Diskussion mit Bürgern am Montagabend in Schwedt, dass der Umbau des Industriestandorts im Nordosten Brandenburgs höchste Priorität habe. „Wir brauchen alle Hände an Deck“, sagte auch PCK-Chef Ralf Schairer. 2025 soll etwa erster Wasserstoff auf dem Gelände der Raffinerie produziert werden.

Klar ist, dass keine andere Region - neben der Lausitz - so viel Geld für die regionale Wirtschaftsförderung und für Innovationen erhalten kann wie die Uckermark. Für die Sicherung und Transformation der ostdeutschen Raffineriestandorte investieren Bund und Länder insgesamt etwa 1,3 Milliarden Euro.

Zum Jahresanfang kam der Umbruch für die Öl-Raffinerie, die weite Teile Ostdeutschlands mit Treibstoffen versorgt. Deutschland importiert seit Januar wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kein Öl mehr aus Russland. Das traf vor allem PCK Schwedt, die deshalb seit langem nach ausreichendem Ersatz sucht, damit die Anlage mit rund 1200 Beschäftigten nicht gefährdet ist.

„Wenn wir Ostern erreicht haben, sind die Dinge erstmal für die nächste Zeit alle in trockenen Tüchern“, meinte Wirtschaftsminister Steinbach. Bis dahin sollen die Rohöl-Lieferungen zunehmen, die die Gesellschafter der Raffinerie - vor allem Rosneft Deutschland und Shell - beschaffen.

Das Bundeswirtschaftsministerium sicherte am Montagabend zu, dass die Auslastung der Öl-Raffinerie bis Ende des Monats erhöht werden kann. Noch im Januar werde ein Schiff mit Öl im polnischen Danzig ankommen und zusätzliche Mengen bereitstellen, sagte Staatssekretär Michael Kellner (Grüne) in Schwedt. Auch kasachisches Öl wird in Schwedt erwartet. Gegebene Versprechen setze die Bundesregierung auch um, betonte Kellner.

Mit Öl über den Hafen Danzig soll die Raffinerie nach Angaben der Bundesregierung künftig zu 70 Prozent ausgelastet sein. Zunächst fließt seit Jahresanfang aber ausschließlich Rohöl über den Hafen Rostock und eine Pipeline zur Raffinerie. Damit liegt deren Auslastung bei etwas mehr als 50 Prozent. „Viel zu niedrig“, schimpfte die Opposition im Bundestag vor rund einer Woche. Belastbare Hinweise auf generelle Preissteigerungen an ostdeutschen Tankstellen gab es bisher laut Mineralölverband Fuels und Energie nicht.

PCK-Geschäftsführer Schairer sagte, das Rohöl-Geschäft sei ein schwieriges Geschäft. Er sei aber zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen weitere Lieferungen hinzukämen. Die Versorgung der Raffinerie allein über die Pipeline aus Rostock laufe stabil, das habe ihn selbst etwas überrascht. „Wir fahren unseren Plan so ab, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte Schairer. „Wir versorgen die Region mit Mobilität, das werden wir auch in Zukunft.“

Er richtet den Blick längst auch auf Zukunftsprojekte wie den Ausbau der Pipeline von Rostock nach Schwedt und die geplante Wasserstoff-Produktion im Jahr 2025. „Da wollen wir in die Umsetzung gehen. Wir sind da auf gutem Wege.“ Auch der brandenburgische Wirtschaftsminister will den Ausbau von Wasserstoff-Vorhaben zügig vorantreiben. „Es ist höchste Eisenbahn, große Vorreiter-Projekte zu haben. Dazu wird die PCK gehören“, sagte Steinbach und appellierte, die Ärmel hochzukrempeln. „Wir gehen dann doch mit halbvollem Glas hier raus“, meinte PCK-Chef Schairer.

Die Stimmung in der Stadt wirkte am Montagabend viel versöhnlicher als etwa noch im Sommer 2022. Einige Bürger sprachen sich für einen Weiterbezug von russischem Öl aus, aber von wütenden Protesten gegen die Politik war bei der Diskussion in den Uckermärkischen Bühnen am Montagabend nichts zu hören. Der RBB stellte zuvor in dem Theater der Stadt seinen Dokumentarfilm über Schwedt und das Öl-Embargo vor.