Die Rentenerhöhung kann eventuell mit einem höheren Grundfreibetrag ausgeglichen werden. 
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BerlinErst einmal ist es eine positive Nachricht: Rentner können im kommenden Jahr mit deutlich steigenden Bezügen rechnen. Zum 1. Juli 2020 sollen die Renten in Westdeutschland um 3,15 Prozent und in Ostdeutschland um 3,92 Prozent steigen. Das geht aus einem Entwurf für den Rentenversicherungsbericht 2019 hervor, der vergangene Woche bekannt geworden ist. Eine monatliche Rente von 1000 Euro dürfte sich nach den derzeitigen Schätzungen im Westen um 31,50 Euro und im Osten um 39,20 Euro monatlich erhöhen. 

Eine solche Erhöhung bedeutet aber auch, dass mehr Rentner künftig eine Steuererklärung abgeben müssen. Einige, die zuvor noch nicht steuerpflichtig waren, werden nun eine Grenze überschreiten, die sie zu einer Abgabe verpflichtet. Das kann für sie bedeuten, dass sie von der ausgezahlten Rente einen kleinen Anteil wieder an den Fiskus zurückgeben müssen. Aber keine Panik: Wenn jemand erstmals durch eine Rentenanpassung steuerpflichtig wird, ist die Höhe der Abgabenlast immer noch sehr gering.

Ein Beispiel: Wenn ein Alt-Rentner, der bereits 2005 in Rente gegangen ist, dieses Jahr gerade noch im steuerfreien Bereich liegt, käme er 2020 mit den vorgesehenen Rentenerhöhungen – unter der Annahme, dass sich die Sozialversicherungsbeiträge 2020 nicht ändern – auf eine Steuerbelastung von 54 Euro (Ost), beziehungsweise 42 Euro (West). „Ob ein Alt-Rentner in die Steuerpflicht rutscht, hängt unter anderem davon ab, in welchem Jahr er in Rente gegangen ist und ob er mit seinem steuerpflichtigen Einkommen den Grundfreibetrag überschreitet“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Auch der Grundfreibetrag steigt

Denn jedes Jahr wird zum einen der Grundfreibetrag angepasst und zum anderen für Neurentner der steuerpflichtige Anteil prozentual erhöht. War beispielsweise im Jahr 2005 noch die Hälfte des Einkommens steuerfrei, wird dieser Wert jährlich abgesenkt und beträgt dieses Jahr 22 Prozent, 2020 werden nur noch 20 Prozent steuerfrei sein. Dieser Wert bleibt für Rentenbezieher in den Folgejahren unverändert, nur für Neurentner gilt der jeweils angepasste Wert.

Hingegen für alle wird jährlich das steuerfreie Existenzminimum, der sogenannte Grundfreibetrag, der sich unter anderem an der Inflation orientiert, angepasst. Zurzeit beträgt er 9168 Euro, 2020 soll er auf 9408 Euro steigen (für Verheiratete gilt jeweils der doppelte Wert).

So kann es auch vorkommen, dass sich eine Rentenerhöhung mit dem höheren Grundfreibetrag ausgleicht. Das war dieses Jahr allerdings nicht der Fall und nach Einschätzung von Rauhöft wird sich die Rentenerhöhung auch nächstes Jahr nicht vollständig mit der Anpassung des Grundfreibetrags ausgleichen. „Es wird auch 2020 einen kleinen Teil von Alt-Rentnern geben, die neu in die Steuerpflicht rutschen.“ Wie viele, ist offen. Für das Steuerjahr 2019 sind es nach Schätzungen des Bundesministeriums für Finanzen 48.000 Rentner, die aufgrund der vorangegangenen Rentenanpassungen erstmals ihre Steuer erklären müssen.

In jedem Fall müssen Rentner eine Erklärung abgeben, wenn sie das Finanzamt dazu auffordert. Doch sind sie auch verpflichtet, selber zu prüfen, ob sie über der Einkommensgrenze liegen. Einen Richtwert, bei welcher Rentenhöhe man selbst betroffen ist, bietet zum Beispiel eine Tabelle des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine. Zu finden unter: bvl-verband.de/steuern/ steuertipps.

Demnach ist ein 2019 in Rente gegangener Ruheständler im Steuerjahr 2019 zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn seine Bruttojahresrente über 13.848 (Ost und West) liegt. Wer 2005 in Rente gegangen ist, darf noch eine Bruttorente von maximal 17.727 (Ost) und 18.973 (West) beziehen, ohne beim Finanzamt eine Erklärung abzugeben. Diese Werte gelten allerdings nur für den Fall, dass ausschließlich Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen wird. Bei zusätzlichen Bezügen, wie etwa einer betrieblichen Altersvorsorge oder anderen Einkünften, muss die Grenze individuell berechnet werden. Dabei helfen Lohnsteuerhilfevereine oder Steuerberater.

Immer wieder überprüfen

Ansonsten sieht die Rechnung vereinfacht wie folgt aus: Von der Bruttorente wird der steuerfreie Anteil abgezogen. Für Neurentner von 2019 also 22 Prozent, für alle davor liegenden Jahrgänge liegt der Freibetrag höher. Eine solche Tabelle lässt sich ebenfalls online einsehen. Weiterhin abgezogen werden kann der Pauschbetrag für Werbungskosten von 102 Euro, ein Sonderausgaben- Pauschbetrag von 36 Euro sowie Pflegeversicherungs- und Krankenversicherungsbeitrag. Bei dem Wert, der übrig bleibt, handelt es sich um das zu versteuernde Einkommen. Liegt dieses über dem Grundfreibetrag, fallen Steuern an. In vielen Fällen können allerdings auch noch weitere Aufwendungen steuermindernd geltend gemacht werden wie Krankheitskosten oder Handwerkerleistungen.

„Wer zurzeit mit seinem steuerpflichtigen Einkommen nur knapp den Grundfreibetrag unterschreitet, sollte das in kürzeren Abständen überprüfen als jemand, der deutlich darunter liegt“, so Rauhöft vom BVL. „Das gilt umso mehr, wenn sich die persönlichen Lebensumstände ändern“, rät er. Wenn beispielsweise ein Ehepartner verstirbt, ändert sich die Steuersituation ebenfalls.