Michael Schumacher: Das droht den Dieben der Krankenakte

Mit Schrecken musste die Familie von Michael Schumacher erfahren, dass die Krankenakte des Formel-1-Piloten gestohlen wurde. Die Polizei vermutet, dass die Akte aus dem gesicherten Computer der Klinik kopiert wurde. Nun fürchten Angehörige, dass die hochsensiblen Daten an die Öffentlichkeit gelangen könnten. Angeblich werden die Dokumente bereits verschiedenen Medien in Deutschland, England und Frankreich zum Preis von etwa 50.000 Euro angeboten.

Sicherlich würde eine Veröffentlichung die Verkaufszahlen des Mediums in die Höhe treiben. „Sicher ist aber auch, dass die Veröffentlichung dieser Informationen nicht ohne rechtliche Konsequenzen einhergeht“, sagt der Medienrechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke. Er erklärt, wie weit Journalisten gehen dürfen, wenn es darum geht geheime Informationen zu veröffentlichen - und welche Konsequenzen die Diebe fürchten müssen.

Ausspähen von Daten und Hausfriedensbruch

Wer sich unbefugt Zugriff zu den Computerdateien verschafft hat, macht sich strafbar, so Solmecke: Das Ausspähen von Daten wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gibt Journalisten nicht das Recht, sich Zugriff zu geschützten Dateien zu verschaffen oder einen Hacker dazu anzustiften.

Zudem kommt möglicherweise eine Strafbarkeit wegen Hausfriedensbruch in Betracht. Für Journalisten gelten auch hier keine Ausnahmen. Informationen dürfen nicht durch das unerlaubtes Eindringen in Privaträume oder in Geschäftsräume erlangt werden.

Ein Journalist darf allerdings grundsätzlich die rechtswidrig gewonnenen Dateien durch Dritte für seine Berichterstattung nutzen. Ein Veröffentlichungsverbot ist aber denkbar, wenn durch den Bericht Persönlichkeitsrechte verletzt werden - und diese Verletzung nicht durch ein überwiegendes Informationsinteresse der Öffentlichkeit gerechtfertigt ist. 

Im Fall Schumacher würde die Abwägung ganz klar zugunsten des Formel-1-Piloten ausfallen: „Da es sich hier um besonders sensible Informationen aus einer Krankenakte handelt, die zudem durch das Berufsgeheimnis der Ärzte besonders geschützt sind, handelt es sich um einen Eingriff in die Intimsphäre des Patienten“, sagt Solmecke.

Eine Veröffentlichung könne in dem Fall nicht durch das allgemeine Informationsinteresse gerechtfertigt sein: „Dafür spricht nicht zuletzt die Tatsache, dass von Anfang an seitens der Managerin von Michael Schumacher nur wenige und gezielte Informationen über den Gesundheitszustand des Formel-1-Piloten veröffentlicht worden sind“, erklärt der Rechtsanwalt. 

Zahlung einer hohen Entschädigung denkbar

Bei einer besonders schweren Persönlichkeitsverletzung kommt ausnahmsweise ein Anspruch auf Geldzahlung wegen eines immateriellen Schadens in Betracht. Dies sei im Falle der Veröffentlichung der Krankenakte von Michael Schumacher, die hochaktuelle, persönliche Daten enthält, durchaus denkbar, findet Rechtsanwalt Solmecke.