Der Deutsche Mieterbund (DMB) zeigt sich entsetzt über die Ankündigung von Deutschlands größtem Vermieter Vonovia, die Mietpreise bei anhaltender Inflation zu erhöhen. „Dass Mieterinnen und Mieter für den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und höhere Zinsen am Kapitalmarkt herhalten müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle börsennotierter Wohnungskonzerne unsozial und spekulativ sind“, sagte der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, am Mittwoch in Berlin. Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch hatte dem „Handelsblatt“ (Mittwoch) gesagt: „Wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liegt, müssen auch die Mieten künftig jährlich dementsprechend ansteigen.“

Siebenkotten erinnerte daran, dass Vonovia nach der Übernahme des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen für 19 Milliarden Euro im Oktober vergangenen Jahres verkündet habe, die Bestandsmieten sollten um maximal ein Prozent pro Jahr steigen. „Jetzt zeigt sich, dass Politik und Kartellamt am Nasenring durch die Manege gezogen wurden“, kritisierte der Mieterschützer.

Der Dax-Konzern Vonovia hält angesichts der hohen Inflationsraten stärkere Mieterhöhungen für nötig. „Wir können nicht so tun, als wenn die Inflation an den Mieten vorbeigeht. Das wird nicht klappen“, sagte Vorstandschef Buch dem „Handelsblatt“. Ansonsten würden viele Vermieter in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Der Bochumer Immobilienriese besitzt rund 565.000 Wohnungen, überwiegend in Deutschland.

Vonovia erhöhte die Mieten für seine Wohnungen laut Zeitungsbericht in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Durchschnitt auf 7,40 Euro pro Quadratmeter - das waren 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Onlineportal „Immoscout24“ rechnet demnach für die kommenden zwölf Monate angesichts anhaltend hoher Teuerungsraten mit Mietsteigerungen von sechs bis sieben Prozent.

Teure Energie und Lebensmittel haben die deutschen Verbraucherpreise im Mai so stark steigen lassen wie seit der Ölkrise in den frühen 1970er-Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 7,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Euro-Raum kletterte die Inflation sogar auf die Rekordmarke von 8,1 Prozent.