Die 422 deutsche Sparkassen zeigen dem Rest der Branche, wie das Geldverdienen geht: Mit gerade mal der Hälfte der Bilanzsumme der Deutschen Bank haben die Institute mit dem roten Schriftzug 2012 vor Steuern 4,4 Milliarden Euro verdient. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank brachte es auf gerade mal 1,4 Milliarden Euro. Die Sparkassen verbuchten zum Jahresende eine Bilanzsumme von 1,1 Billionen Euro.

„Die Gruppe insgesamt befindet sich im Aufbruch“, sagte der seit Mitte Mai 2012 amtierende Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon am Mittwoch bei der Vorlage der Jahreszahlen. Zwar sei der Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr wegen der Niedrigzinsphase und rückläufigen Wertpapiergeschäften um sieben Prozent zurückgegangen, gleichzeitig habe der Sparkassenverbund die durchschnittliche Kernkapitalquote um zwei Prozentpunkte auf 12,5 Prozent gesteigert. Damit seien die neuen regulatorischen Vorgaben der Aufseher „deutlich übererfüllt“. Die privaten Banken hingegen kämpfen derzeit noch damit, ihre Kapitaldecke zu stärken.

„Die Sparkassen sind in ihrer Gesamtheit sehr solide und liquide aufgestellt“, lobte Lobbyist Fahrenschon seine Organisation. Tatsächlich stehen die Sparkassen anscheinend gut dar. Den Kunden sei Dank: 2012 überstiegen die Einlagen die Kredite um rund 103 Milliarden Euro. Diese Art des klassischen Bankgeschäfts gelingt vielen Privatbanken derzeit tatsächlich nicht.

Kunden konzentrieren sich auf Immobilien

Allerdings bekommen auch die Sparkassen zu spüren, dass die Finanzkrise den Kunden nach wie vor die Lust auf Wertpapiergeschäfte nehmen. In Folge sinken die Provisionseinnahmen. Im vergangenen Jahr sank der sogenannte Provisionsüberschuss der Sparkassen um ein Prozent auf 6,3 Milliarden Euro, der Umsatz mit Wertpapieren lag damit zehn Prozent unter dem des Jahres 2011 und 43 Prozent unter dem des Jahres 2008. „Daran ist zu erkennen, wie stark sich die Finanzkrise im Bewusstsein von breiten Kundengruppen eingebrannt hat“, resümierte Fahrenschon.

Die Deka-Bank, der Fondsdienstleister der Sparkassen, hingegen hat 2012 wieder mehr Gewinn erwirtschaftet und ruft schon die Trendwende im Fondsgeschäft aus. Nachdem Anleger im ersten Halbjahr 2012 noch viel Geld aus Deka-Wertpapierfonds abgezogen hatten, verzeichnete das Institut im vierten Quartal erstmals seit langem wieder Netto-Zuflüsse. Die Deka habe 2012 mehr verdient als im Vorjahr, sagte Fahrenschon am Mittwoch, ohne jedoch genaue Zahlen zu nennen.

Deka-Bank soll die LBB schlucken

Die Sparkassen sind seit 2011 alleiniger Eigentümer der Deka und wollen das Frankfurter Institut künftig noch enger an sich binden. Außerdem soll das Fonds- und Kapitalmarktgeschäft der Landesbank Berlin (LBB), die ebenfalls den Sparkassen gehört, an die Deka angedockt werden. „Die Deka-Bank wird der LBB im Sommer ein entsprechendes Angebot unterbreiten“, kündigte Fahrenschon an. Die Landesbank Berlin werde dann zu einer reinen Stadtsparkasse geschrumpft: „Folgerichtig wird auch der Name Landesbank Berlin verschwinden.“

Für die Kunden und die deutsche Volkswirtschaft sei es wichtig, dass Privatanleger Geld in deutsche Unternehmen investieren, sagte Fahrenschon. Die Politik dürfe die Wertpapierberatung deshalb nicht weiter durch Bürokratie erschweren, forderte der CSU-Politiker. „Die Politik gefährdet mit solchen Maßnahmen die Aktienkultur.“

Derzeit konzentrieren sich die Kunden aber auf das Immobiliengeschäft. Im vergangenen Jahr haben die Sparkassen verstärkt private Wohnungsbauvorhaben finanziert, das Neugeschäft summierte sich auf 38,2 Milliarden Euro. Obwohl viele Bestandskunden Sondertilgungsmöglichkeiten nutzen, stieg der Kreditbestand um 9,1 Milliarden Euro. Der Marktanteil der Sparkassen liegt mittlerweile bei 34,2 Prozent.