Berlin - Im Wahlkampf werben die großen Parteien für sich mit dem Versprechen auf Steuersenkungen. CDU wie auch SPD wollen die Deutschen um 15 Milliarden Euro entlasten. Zur Gegenfinanzierung will die SPD den Spitzensteuersatz von 42 auf 45 Prozent erhöhen, die Reichensteuer stiege damit von 45 auf 48 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederum hat höhere Steuern für Besserverdienende ausgeschlossen. Wie viel Steuern zahlen die Reichen eigentlich?

Wieviel Steuern zahlen die Deutschen?

Insgesamt zählt das Statistische Bundesamt 39,8 Millionen einkommensteuerpflichtige Personen in Deutschland. Sie verdienten 1,4 Billionen Euro. Die gesamte Lohn- und Einkommensteuer beläuft sich auf 246 Milliarden. Dies sind die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2013. Auf Grund der langen Fristen zu Steuerveranlagung sind sie erst jetzt verfügbar, so die Statistiker.

Wer zahlt den Spitzensteuersatz?

Der Steuersatz in Deutschland nimmt mit steigendem Einkommen zu. Ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro pro Jahr wurde 2013 der Spitzensteuersatz von 42 Prozent fällig. Ihn zahlten laut Statistischem Bundesamt 2,1 Millionen Steuerpflichtige.

Wer zahlt Reichensteuer?

Der dreiprozentige Aufschlag auf den Spitzensteuersatz wird ab einem Einkommen von 250.731 Euro (gemeinsam veranlagte Personen: 501.462) fällig. Ihn zahlten 2013 insgesamt 79.200 Personen, unter ihnen die 17.400 Einkommensmillionäre.

Wer zahlte gar keine Steuern?

Bei 9,6 Millionen Steuerpflichtigen lag das Einkommen 2013 unter 8131 Euro. Bis zu dieser Summe blieb das Einkommen steuerfrei, da der Staat das Existenzminimum laut Bundesverfassungsgericht nicht besteuern darf.

Zahlen Wohlhabende Spitzen- und Reichensteuer auf ihr gesamtes Einkommen?

Nein. Wer 2013 zum Beispiel 300.000 Euro verdiente, für den blieben wie beim Geringverdiener ersten 8131 Euro steuerfrei. Für die ersten 40.000 Euro zahlte er genauso viel Steuern wie jemand, der bloß 40.000 Euro verdiente. Der Spitzensteuersatz griff bei ihm nur für die Summe zwischen 52.883 und 250.731 Euro. Und die Reichensteuer war lediglich für die Summe zwischen 250.732 und 300.000 Euro maßgeblich, sprich: Die 45 Prozent Reichensteuer wurde nur für die Differenz von 49.268 Euro fällig. Der dreiprozentige Aufschlag schlägt in diesem Beispiel also mit 1478,04 Euro zu Buche.

Welchen Anteil zahlen die Wohlhabenden?

Jene, die 2013 unter den Spitzensteuersatz fielen, trugen 43 Prozent zum gesamten Lohn- und Einkommensteueraufkommen bei. Der Anteil jener, die unter die Reichensteuer fielen, lag bei 11,5 Prozent. Zusammen kommen beide also auf einen Anteil von 54,5 Prozent an der Lohn- und Einkommensteuer.

Wenige zahlen mehr als die Hälfte der Steuern – ist das gerecht?

In Deutschland zahlten die reichsten zehn Prozent der Haushalte zuletzt etwa 60 Prozent der Einkommensteuer. Das klingt zunächst viel. Dabei ist jedoch unter anderem folgendes zu bedenken:
Erstens: Das deutsche Steuersystem ist progressiv – wer mehr verdient, soll prozentual auch mehr abgeben. Wer gerade so zurechtkommt, der kann nichts abgeben. Die ungleiche Steuerlast ist daher eine Folge der ungleichen Verteilung der Einkommen. Anders gesagt: Wären die Einkommen gleich verteilt, so würden auch alle gleich zum Steueraufkommen beitragen.
Zweitens: Bei den Spitzenverdienern handelt es sich oft nicht um Arbeitnehmer, sondern um Selbstständige und Unternehmer, die teilweise Millionenumsätze erzielen. Hier ist die Einkommensteuer also eine verkappte Unternehmensteuer.

Drittens: Die Lohn- und Einkommensteuer macht nur einen Teil der gesamten Steuerlast aus. Ein anderer Teil sind indirekte Steuern wie zum Beispiel die Mehrwertsteuer, die beim Einkauf fällig wird. Hier zahlt jeder 19 Prozent, ob Wohnungsloser oder Millionär, ob Kind oder Erwachsener. Gemessen am Einkommen zahlen Geringverdiener zudem einen höheren Anteil Mehrwertsteuer, weil sie einen größeren Anteil ihres Budgets für Einkäufe ausgeben müssen.

So zahlen die zehn Prozent der ärmsten Haushalte 20 Prozent ihres Einkommens als indirekte Steuern, bei den reichsten zehn Prozent sind es nur acht Prozent, errechnet das Institut DIW. Insgesamt zahle ein Haushalt aus den zehn Prozent der einkommensstärksten Gruppe knapp 25 Prozent seines Einkommens an Steuern. Dies sei nur wenig mehr als bei den zehn Prozent der ärmsten Haushalte (20 Prozent).