Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit erwartet keinen gravierenden Personalabbau wegen des gesetzlichen Mindestlohns. „Uns liegen bisher keine belastbaren Hinweise vor, dass Unternehmen deswegen zusätzlich Stellen abbauen“, sagte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, der Berliner Zeitung.

Um herauszufinden, ob Unternehmen wegen des künftigen Mindestlohns von 8,50 Euro in der Stunde bereits mehr Mitarbeiter als üblich entlassen haben, hat sich das IAB die sogenannten Arbeitssuchend-Meldungen angeschaut: Beschäftigte, die eine Kündigung erhalten haben, müssen sich drei Monate vor Vertragsende bei einer Arbeitsagentur melden. „Wenn Unternehmen zum Start des Mindestlohns erheblich Personal abbauen würden, müsste es bereits jetzt einen ungewöhnlichen Anstieg der Arbeitssuchend-Meldungen geben. Das ist aber nicht der Fall“, erklärte IAB-Direktor Möller.

Möglich sei, dass Firmen erst später Jobs kappen. „Ich rechne aber nicht damit, dass es zu einem Abbau von mehreren Hunderttausend Stellen kommt“, sagte Möller mit Blick auf entsprechende Warnungen von einigen Forschern. Wahrscheinlicher sei, dass es lediglich vereinzelt zu Jobabbau kommt: In Gegenden wie dem Erzgebirge und auf Rügen, wo das Gehaltsniveau extrem niedrig sei, sei die Einführung des Mindestlohns „nicht ohne Risiko“.

Viele kleinere Firmen könnten sich nicht vorstellen, ihre Preise wegen steigender Personalkosten um zehn oder 20 Prozent zu erhöhen. „Was viele dabei übersehen: dass auch ihre Wettbewerber die Preise erhöhen müssen“, betonte der Volkswirt.

Warnung des ifo-Instituts

Das Münchner Ifo-Institut warnt dagegen seit Jahren vor dem Mindestlohn. Kürzlich sorgte das Ifo mit einer Firmenumfrage für Schlagzeilen. Danach gaben 22 Prozent der vom Mindestlohn betroffenen Unternehmen an, voraussichtlich mit Personalabbau darauf zu reagieren. „Ein solches Ergebnis war zu erwarten“, sagt Möller kühl. Schließlich würden die Unternehmen die Debatte kennen. Das heißt: Wenn ständig vor Jobabbau gewarnt wird, ist es für Firmen naheliegend zu erklären, dass man mit Stellenkürzungen reagiert.

Mit Umfragen allein könne man nicht herausfinden, wie Unternehmen tatsächlich auf die Lohn-Untergrenze reagieren, betonte auch Rainer Schnell, Professor für empirische Sozialforschung an der Uni Duisburg-Essen. Möglich sei, dass die Befragten noch gar nicht wissen, wie sie reagieren und irgendetwas ankreuzen, weil ihre Antwort keinerlei Folgen hat. Möglich sei auch, dass sie den Mindestlohn als plausible Erklärung für einen ohnehin geplanten Personalabbau angeben.

Dafür gibt es zumindest einen Hinweis: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat bereits im Herbst in seiner regulären Konjunkturumfrage Firmen nach ihren Erwartungen für 2015 gefragt, völlig unabhängig davon, ob sie vom Mindestlohn betroffen sind oder nicht. Auch hier gaben 22 Prozent der Unternehmen an, sie rechneten mit einer sinkenden Beschäftigung.