Leerer Strand in der griechischen Hafenstadt Rafina.
Foto: AFP/Louisa Gouliamaki

NikosiaLeere Strände, geschlossene Hotels und eine dramatische Stornierungswelle – im gesamten östlichen Mittelmeerraum ist der Tourismus wegen der Corona-Krise zum Erliegen gekommen. Dabei ist der Fremdenverkehr für Griechenland, die Türkei und Zypern ein lebenswichtiger Wirtschaftszweig, bei dessen Ausfall Milliardenverluste drohen. Fieberhaft suchen die Regierungen nach Auswegen aus dem schwer lösbaren Dilemma, dass Touristen zwar Geldbringen und Millionen Arbeitsplätze sichern, aber zugleich strenge Gesundheitsvorkehrungen nötig sind. Denn die Urlauber wollen sichere Ferien ohne Quarantäne, die Einheimischen ängstigen sich vor eingeschleppten Covid-19-Infektionen.

Zurzeit ist es für Feriengäste aus der Europäischen Union praktisch unmöglich, in die drei Länder einzureisen. Griechenland und die Türkei haben ihre Landgrenzen für Touristen geschlossen, der internationale Flugverkehr ist weitgehend unterbrochen. Das zwischen griechischen und türkischen Bevölkerungsgruppen geteilte Zypern ist derzeit nur per Flugzeug erreichbar, doch finden lediglich Rückholflüge für Auslandszyprioten statt.

Weil beide Insel-Teile sehr früh harte Kontaktbeschränkungen einführten, gelang es ihnen, die Neuinfektionen inzwischen gegen null zu drücken. Wie Nikosia, aber anders als Ankara begegnete Athen der Krise zwar auch rechtzeitig mit Ausgangsbeschränkungen, doch stehen Griechenland und die Türkei im Verdacht, trotz sinkender Infiziertenzahlen das wahre Ausmaß der Corona-Erkrankten und -Toten herunterzuspielen.

In allen drei Ländern wird keine Wirtschaftsbranche von der Corona-Krise so hart getroffen wie der Tourismus. Jannis Retsos, Leiter des griechischen Tourismusverbandes Sete, bezeichnete 2020 bereits als nahezu „verlorenes Jahr“. In Griechenland erwirtschaftet die Tourismusindustrie mehr als ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und beschäftigt etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer. Einen dramatischen Einbruch des Fremdenverkehrs erwarten aber auch Zypern und die Türkei, in denen die Branche für rund 15 bzw. 12 Prozent des BIP verantwortlich zeichnet.

Um das Desaster zu begrenzen, wollen die drei Mittelmeerländern ihre Reisebeschränkungen unter strengen Auflagen aufheben. Vorreiter ist Griechenland, dessen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis eine schrittweise Öffnung der Ferienhotels ab Juni ankündigte. Da aber eine reguläre Wiederaufnahme des Flug- und Fährtransports auf die Ägäis-Inseln ebenso wie ein Neustart des innereuropäischen Flugverkehrs noch in den Sternen steht, dürfte der Tourismus höchstens auf dem griechischen Festland wieder anlaufen. Die Touristiker hoffen dabei vor allem auf Besucher vom Balkan, die traditionell rund ein Drittel der mehr als 30 Millionen jährlichen Griechenland-Urlauber ausmachen.

In der Türkei sollen die Einschränkungen für die meisten Hotels, Restaurants und Cafés vorerst noch bis Ende Mai gelten. Das Land will im Juni mit einer schrittweisen Öffnung der Urlaubsorte beginnen, dann sollen auch die Maschinen der halbstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines zunächst im Inlandsverkehr wieder abheben. Wann Auslandsflüge wieder möglich werden, ist unklar. Wie Tourismusminister Mehmet Ersoy mitteilte, arbeitet die Regierung an einem „international anerkannten Zertifizierungssystem“, um türkische Tourismusdestinationen als „coronavirusfreie Zonen unter bestimmten Systemvoraussetzungen“ zu deklarieren. Wie in Zypern und Griechenland müssten Touristen bei der Einreise Gesundheitsdokumente vorlegen.

Die (griechische) Republik Zypern hat am Montag begonnen, dass öffentliche Leben schrittweise wieder hochzufahren. Eine limitierte Rückkehr internationaler Touristen soll ab Mitte Juli erlaubt werden – die aber mehr noch als in den Nachbarländern von der Wiederaufnahme des internationalen Flugverkehrs abhängt. Die Regierung in Nikosia drängt dabei wie Athen auf eine gemeinsame Linie der EU und mögliche Corona-Schnelltests an den Abflughäfen.

Unterdessen bereiten sich alle drei Länder bereits auf Abstandsregeln für Ferienhotels und Restaurants sowie strenge Desinfektionsmaßnahmen vor. Eine entscheidende Voraussetzung für ein Wiederanfahren des Tourismus wäre allerdings die Aufhebung der obligatorischen 14-Tage-Quarantäne für alle Einreisenden. Zudem würde jeder neue Covid-19-Ausbruch in einem Touristenhotel automatisch Quarantänemaßnahmen auslösen.