Die Pedale täuschen. Das Zweirad sieht zwar aus wie ein E-Bike, aber tatsächlich ist das sogenannte eRockit enger mit einem Motorrad verwandt als mit einem Fahrrad. Gut 80 km/h sollen sich mit dem Pedelec der Turboklasse erreichen lassen. Folglich muss es auch als Motorrad zugelassen werden, ein entsprechender Führerschein ist Bedingung.

Für das Gefährt ist es der zweite Anlauf. Das eigentliche Debüt des eRockit liegt neun Jahre zurück. Damals sollte das Zweirad von dem Marzahner Knorr-Bremse-Areal aus die Welt erobern. Doch daraus wurde nichts. Knapp 50 Exemplare sollen gebaut worden sein, bis das junge Unternehmen 2014 Insolvenz anmelden musste. Danach passierte einige Jahre nichts. Jetzt soll das Comeback erfolgen. Andreas Zurwehme, ein Unternehmer aus Westfalen, hat die Rechte an dem Fahrzeug und die Reste der Firma übernommen. In Hennigsdorf plant er nun den Neuanfang.

Wer schnell tritt, fährt auch schnell

Dort, in einem Gewerbegebiet neben dem Elektrostahlwerk, hat die eRockit-Systems ihren Sitz. Noch ist es ein nur dreiköpfiges Unternehmen. Neben Zurwehme ist das ein Elektronik- und IT-Experte sowie der Technikchef mit Suzuki- und KTM-Erfahrungen. Gerade ist man dabei, das Team aufzubauen. Profis aus dem Motorradbau sind willkommen. „Was wir hier machen, geht nicht mit Quereinsteigern“, sagt Zurwehme. Das sei vor allem eine Frage der Sicherheit.

In der Tat ist das Gefährt mit seiner Höchstgeschwindigkeit autobahntauglich. Einen Gasgriff gibt es freilich nicht. Das Tempo wird mit den Pedalen beeinflusst. Wer schnell tritt, fährt auch schnell. Als Reichweite werden 120 Kilometer angegeben.

„Das will ich unterbieten“

Das E-Bike, das unter anderem den „Red Dot“-Design-Award bekommen hatte, soll in den nächsten Monaten weiterentwickelt und zur Serientauglichkeit gebracht werden. Es solle kein Spielzeug für Reiche werden, sondern die Elektromobilität voranbringen, sagt Zurwehme. „Das beste Elektromotorrad, das es gibt“, soll es werden.

Dafür will der 56-Jährige eine Industrieproduktion aufbauen, keinen Manufaktur-Betrieb. Würth steht dem Jungunternehmen als Technologiepartner zur Seite . Im nächsten Jahr sollen die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden. „Spätestens im Mai“, sagt Zurwehme und glaubt, dass sich im Gesamtjahr „weit über 100“ Exemplare verkaufen lassen. Danach soll die Produktion hochgefahren werden. Der neue eRockit-Chef peilt eine Jahresproduktion in vierstelliger Größe an, wobei keine eins vorn stehen werde.

Wie viel das Bike kosten soll, ist laut Zurwehme noch offen. Allerdings steht schon jetzt fest, dass es nicht billig wird. Denn 12.500 Euro kostete die erste Generation des eRockit. „Das will ich unterbieten“, sagt Zurwehme.