Elon Musk zieht bei Twitter ein und verbreitet Verschwörungstheorie um Attacke auf Paul Pelosi

Elon Musk will den Umgang mit kontroversen Inhalten neu regeln. Zugleich bringt er viele Nutzer gegen sich auf, indem er eine Verschwörungstheorie verbreitet.

ARCHIV - Elon Musk hat den Kurznachrichtendienst Twitter übernommen.  a
ARCHIV - Elon Musk hat den Kurznachrichtendienst Twitter übernommen. aAdrien Fillon/ZUMA Press Wire/dp

San Francisco-Tech-Milliardär Elon Musk beginnt nach der Übernahme von Twitter, dem Online-Dienst seinen Stempel aufzudrücken. Unter anderem will er neues Gremium zum Umgang mit kontroversen Inhalten schaffen. Bevor ein solcher Rat zusammentrete, werde es keine großen Entscheidungen zur Inhalte-Politik oder der Wiederherstellung von Accounts geben, schrieb er bei Twitter.

Am Sonntag hat der Mann nicht nur mit seinem Einzug in die Twitter-Zentrale für Aufsehen gesorgt. Nutzer kritisierten einen Eintrag von Elon Musk, den er unter einen Tweet von Hillary Clinton platziert hat. Unter einem Text der Washington Post, der die rechtslastige Radikalisierung des Angreifers auf Nacy Pelosis Mann Paul Pelosi thematisiert, die am Samstag stattgefunden hatte, schrieb Musk: „Es gibt eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass es bei dieser Geschichte um mehr geht, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.“ Unternehmer Musk postete dazu einen Text einer Website, die für Fake News bekannt ist und jetzt die Theorie verbreitet, dass Nancy Pelosis Mann eventuell in der Nacht des Angriffs angetrunken und mit einem homosexuellen Sexworker in seinem Haus in Streit geraten war. Die Seite war zeitweise nicht zu erreichen.

Bei Twitter mahnten Nutzer an, dass Elon Musk bereits jetzt seine Macht dazu ausnutzen würde, um krude Verschwörungstheorien zu verbreiten. Amerikanische Politiker warfen Musk vor, dass er homophobe und verschwörungstheoretische Inhalte teile und der demokratiedestabilisierenden Agenda der Republikaner zuarbeiten würde. Musk reagierte erst nicht auf die Vorwürfe, löschte aber dann den Tweet.

Zuvor hatte Musk noch per Tweet versprochen, dass mit ihm auf Twitter alles besser werden sollte. Er warb für Meinungsfreiheit: „Alle, die aus geringfügigen und zweifelhaften Gründen gesperrt wurden, werden aus dem Twitter-Gefängnis freikommen.“ Er zeigte sich zudem offen dafür, für Tweets die Begrenzung auf 280 Zeichen aufzuheben. Auch fand er es eine gute Idee, wenn Nutzer die Wahl zwischen verschiedenen Versionen des Dienstes haben könnten: „Wie eine Alterseinstufung im Kino.“

Laut Medienberichten sollten auch umgehend Stellenstreichungen bei Twitter eingeleitet werden. Der Finanzdienst Bloomberg schrieb, Musk habe Software-Entwickler des von ihm geführten Elektroautobauers in die Twitter-Zentrale geholt, um den Programmcode der Plattform zu begutachten. „Business Insider“ berichtete, Musk sei in internen Profilen mit dem Titel Firmenchef aufgetaucht. Zuvor war bereits berichtet worden, er wolle den Posten zusätzlich zum Spitzenjob unter anderem bei Tesla und seiner Weltraumfirma SpaceX übernehmen.

Viele Veränderungen werden nur über Medienberichte bekannt

Musk hatte am Donnerstag die rund 44 Milliarden schwere Übernahme des Online-Dienstes abgeschlossen. Offizielle Angaben zum Geschehen bei Twitter blieben seitdem weitgehend aus. Auch die Entlassung von Top-Managern rund um den bisherigen Chef Parag Agrawal wurde zunächst nur über Medienberichte bekannt. Details zu seinen Plänen für die Twitter-Zukunft nannte Musk bisher ebenfalls nicht. Das könnte auch so weitergehen: Mit Kauf nimmt Musk Twitter von der Börse und muss danach nicht mehr über die Entwicklung des Geschäfts informieren.

Musk hatte oft kritisiert, bei Twitter werde die Redefreiheit zu sehr eingeschränkt. Das weckte Sorgen, bei Twitter könnte es unter seiner Kontrolle mehr Hass und Hetze geben. Die Bildung des Inhalte-Rates könnte nun einen vorsichtigeren Kurs signalisieren.

Mehr Tweets mit rassistischer Hassrede

Bobachtern fiel nach Vollzug der Twitter-Übernahme ein Anstieg von Tweets mit rassistischer Hassrede auf. Twitter zufolge kamen rund 50.000 solcher Tweets von nur 300 Accounts und man kämpfe dagegen an.

Musk reagierte zugleich auf eine Beschwerde aus dem rechten politischen Spektrum, wonach Twitter im Sinne „der Linken“ zensiert werde. „Ich werde das prüfen“, schrieb er. Twitter solle keine der Seiten bevorzugen. Der Dienst fährt seit Jahren einen strikten Kurs gegen falsche Informationen zu Wahlen - und vor allem Trump-Anhänger sprechen von Zensur. Musk solidarisierte sich zuletzt politisch mit der weiter von Trump beherrschten Republikanischen Partei. Die Demokraten von US-Präsident Joe Biden seien zur „Partei der Spaltung und des Hasses geworden“, schrieb er im Mai bei Twitter.

Transparenzhinweis: Die Meldung wurde am 1.11.2022 um 7 Uhr korrigiert und aktualisiert.