Nach der Übernahme durch Benko: Verdi sorgt sich um mögliche Schließungen

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat den neuen Eigentümer der Karstadt-Warenhäuser vor übereilten Entscheidungen und Schließungen von Standorten gewarnt. „Karstadt hat derzeit andere Probleme als zu viele Häuser“, sagte der Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, Arno Peukes, der Berliner Zeitung. „Zuallererst muss der neue Eigentümer ein vernünftiges Konzept auf den Tisch legen, wie das Unternehmen künftig entwickelt werden soll“.

Weniger Umsatz, hohe Verluste

Ende vergangener Woche hatte der österreichische Immobilien-Investor Rene Benko die 83 verbliebenen Karstadt-Warenhäuser sowie die restliche Beteiligungen an den Premiumhäusern (darunter das KaDeWe in Berlin) sowie an den 28 Sporthäusern für einen Euro vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen übernommen. Laut Medienberichten will Benko die angeschlagene Kette innerhalb von zwei Jahren sanieren.

Dabei sollten auch verlustreiche Häuser geschlossen werden. Angeblich gebe es eine Liste von rund 20 Kaufhäusern, die Verluste schreiben und die allesamt auf den Prüfstand kommen sollen. Verdi-Vertreter Peukes sagte, den Arbeitnehmer-Vertretern sei eine solche Liste nicht bekannt. Eine übereilte Schließung von Häusern mit all seinen Folgekosten, so Peukes weiter, „hilft nicht dem Konzern, hilft nicht dem Eigentümer und ginge erneut zulasten der Beschäftigten“.

Zustand permanenter Verunsicherung

Diese hätten schon viele Opfer auch in finanzieller Hinsicht erbracht und müssten dennoch seit Jahren mit immer neuen Spekulationen über die Zukunft ihres Unternehmens leben: „Diesem Zustand der permanenten Verunsicherung müssen die neuen Eigentümer ein Ende bereiten“, sagte Peukes. „Und zwar nicht, indem Häuser und Standorte einer Bereinigung zum Opfer fallen, sondern indem eine Perspektive für alle Standort festgeschrieben wird.“

Am Donnerstag wird der Aufsichtsrat über die Situation nach dem Eigentümerwechsel beraten. Dem Konzern machen Umsatzschwund und hohe Verluste zu schaffen. Im Geschäftsjahr 2011/12 setzten die Karstadt-Häuser 2,9 Milliarden Euro um, im Jahr darauf waren es nur noch 2,7 Milliarden. Gleichzeitig fiel ein Verlust von 127 Millionen Euro an nach minus 158 Millionen im Jahr zuvor. Auch im laufenden Geschäftsjahr wird ein Minus erwartet, allerdings nur noch im zweistelligen Bereich. Die Kaufhaus-Gruppe beschäftigt derzeit etwa 17 000 Mitarbeiter, davon rund 4 000 in Berlin.

Gewerkschafter Peukes erwartet, dass die Anteilseigner am Donnerstag erst einmal erklären, „warum sie in die Kaufhaus-Gruppe eingestiegen sind und wie ihr Zukunftskonzept aussieht“. Beschlüsse über die Zukunft einzelner Standorte dürften nicht zur Debatte stehen. Der Gewerkschafter vertritt entgegen der Auffassung von Branchenvertretern die Meinung, dass der deutsche Einzelhandelsmarkt „groß genug für zwei Kaufhaus-Gruppen“ sei. Peukes: „Die 83 Häuser von Karstadt können bestehen bleiben..“

Investitionen in alle Standorte sind notwendig

Voraussetzung sei allerdings, dass ordentlich in die Häuser investiert werde. „Der Investitionsbedarf ist nicht höher als die Kosten, die durch Schließungen verursacht würden“, sagte er. Peukes betonte, dass man sich einerseits stärker als bisher auf die Stammkundschaft von Warenhäusern konzentriere müsse, und dass sei schon allein aus demografischen Gründen nicht die jungen, internetaffinen Konsumenten, sondern eher ältere. Andererseits müsse für jedes einzelne Haus eine passende Ausrichtung gefunden werden, die sich an den regionalen Besonderheiten orientiert.

Auch der Deutsche Städtetag warnte am Montag vor der Aufgabe von Standorten: „Wo Warenhäuser schließen müssen, sinken oft auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe und kann ein Stück Lebensqualität der Bevölkerung verloren gehen“. Die Kommunen hätten ein großes Interesse daran, dass es dem Einzelhandel vor Ort gut gehe.

Branchenkenner spekulieren, dass nach einer erfolgreichen Sanierung der Karstadt-Gruppe diese mit Kaufhof fusioniert werden könnte. Die Metro-Tochter Kaufhof steht wirtschaftlich vergleichsweise gut da. Bei drei Milliarden Euro Umsatz betrug der Gewinn zuletzt 136 Millionen Euro.