Die Chefin wirft nach nur fünf Monaten hin: Die erst im Februar an die Spitze des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt berufene Managerin Eva-Lotta Sjöstedt hat am Montag ihr Amt niedergelegt. Die Begründung für ihren überraschenden Schritt lässt Zweifel daran aufkommen, ob Karstadt überhaupt noch zu retten ist. Denn offensichtlich ist die wirtschaftliche Lage so ernst und die Unterstützung durch den Eigentümer Nicolas Berggruen so gering, dass die gelernte Designerin keinen anderen Ausweg sah als den sofortigen Rücktritt.

Offen kritisiert sie in ihrer Erklärung das Verhalten der Besitzer, formal ist das die Berggruen Holdings. Dahinter steht der Milliardär und Kunstsammler Nicolas Berggruen. Er war einst als Karstadt-Retter gefeiert worden, aber längst ist bei den Beschäftigten und auch bei Politikern die einstige Begeisterung in Enttäuschung und Wut umgeschlagen. Die Managerin betont nun, sie habe den Ruf in die Konzernzentrale nach Essen angenommen in der Annahme, „ein angeschlagenes, in einer sehr schwierigen Situation befindliches Unternehmen übernehmen und entwickeln zu dürfen“. Die Eigentümerseite habe damals „die volle Unterstützung für meine Strategie und meine Investitionspläne“ zugesagt. Doch offenbar gingen hier die Vorstellungen weit auseinander, und den Bekenntnissen der Berggruen-Seite folgten keine Taten. Denn Sjöstedt musste nun, nach kurzer Tätigkeit an der Spitze des Konzerns, feststellen, „dass die Voraussetzungen für den von mir angestrebten Weg nicht mehr gegeben sind“. Deshalb habe sie ihr Amt zum 7. Juli niedergelegt.

Unsichere Zukunft

Sjöstedt begründet ihren Schritt mit den Erfahrungen der letzten Monate und „in genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Rahmendaten“ des Unternehmens. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass es nicht oder nur in geringem Maß gelungen ist, Karstadt nach vorn zu bringen. Schon im März hatte sie in einem Brief an die Mitarbeiter geschrieben, dass der Konzern im Moment nicht profitabel sei: „Unsere Zukunft scheint unsicher.“ Das müsse sich sehr schnell ändern.

Dazu ist es nicht gekommen. Der Abwärtstrend hält an, wenn man sich die Konzernzahlen anschaut. Im zum September abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 gingen die Umsätze um rund zehn Prozent nach unten auf 2,7 Milliarden Euro. Der Verlust belief sich auf 127 Millionen Euro. Das war zwar weniger als im vorangegangenen Geschäftsjahr, aber damals schlugen noch außerordentlich hohe Abfindungszahlungen zu Buche. Auch im ersten Quartal des aktuellen Karstadt-Geschäftsjahres hielt der Abwärtstrend mit sinkenden Umsätzen an.

Dabei hatte es 2010 noch gut ausgesehen. Nicolas Berggruen, Sohn des während der Nazi-Diktatur emigrierten Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, übernahm das insolvente Unternehmen und versprach, die „Kultmarke Karstadt“ zu erhalten. Er wolle dem Unternehmen „frische und attraktive Perspektiven“ eröffnen. Was er offenbar nicht wollte, war, eigenes Geld in den Konzern zu stecken. Ihm gehören die Namensrechte, für die er 2010 fünf Millionen Euro überwies. Die lässt er sich nun mit 0,5 Prozent vom Umsatz bezahlen. Für das aktuelle Geschäftsjahr dürften es etwa elf Millionen Euro sein. „Längst“, so urteilte kürzlich das Manager Magazin über Berggruen, „hat er sich als Heuschrecke demaskiert.“

Kein Verlass

Aufsichtsratsmitglied Arno Peukes, der für die Gewerkschaft Verdi im Kontrollgremium von Karstadt sitzt, sieht darin einen wesentlichen Grund für den Ausstieg der Chef-Managerin. Ihr Rücktritt sei weniger ein Ausdruck der wirtschaftlichen Lage bei Karstadt. Eher habe wohl Sjöstedt nun gemerkt, dass man sich „auf Zusicherungen von Berggruen nicht verlassen kann“, sagte er der Berliner Zeitung. Berggruen und sein Mitinhaber und Geschäftspartner René Benko müssten jetzt endlich einmal konkret sagen, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll und welche Pläne verfolgt werden. Berggruen gehören noch 83 Karstadt-Häuser, davon acht in Berlin. Die sind auch nicht das Problem von Karstadt, sagt Nils Busch-Petersen des Berliner Einzelhandelsverbandes. Die Häuser sind für die Innenstädte ein wichtiger Anker. Den überraschenden Wechsel an der Spitze sieht er aber auch mit Sorge. „Da ist kein Beitrag zu mehr Ruhe.“

Die Sporthäuser und die Luxuskaufhäuser, darunter das Berliner KaDeWe, hat Berggruen bereits an den österreichischen Immobilieninvestor Benko und dessen Geschäftspartner, einen israelischen Diamantenhändler, verkauft. Ihnen gehören auch etliche Immobilien, auf denen Karstadt-Häuser stehen. Zudem haben sie die Option, Berggruen 75 Prozent der Anteile an den Karstadt Warenhäusern abzunehmen. Immer wieder gibt es Spekulationen über eine Fusion mit Kaufhof aus dem Metro-Konzern, die aber derzeit völlig unrealistisch sind.

Die Belegschaft hatte nach der Insolvenz mit Millionen-Zugeständnissen einen Neustart unterstützt. Derzeit haben die Karstadt Warenhäuser noch etwa 17 000 Beschäftigte, davon rund 4 000 in Berlin.

Das Unternehmen reagiert überrascht auf den Rücktritt. Der Schritt komme in einer sehr schwierigen Zeit für Karstadt. Ziel sei es jetzt, „mit dem erfahrenen Management die Sanierung von Karstadt entschlossen und unverzüglich anzugehen“. Mit welchem Konzept – das wurde nicht mitgeteilt.