Ausgerechnet zum Weltspartag erleben reiche Kunden der Thüringischen Skatbank eine böse Überraschung: Künftig müssen sie für große Anlagesummen nicht nur auf Zinsen verzichten. Die Bank stellt ihnen sogar einen Strafzins in Rechnung. Ursprünglich sollte die Regelung für alle Beträge auf dem Tagesgeldkonto über 500.000 Euro gelten. Hierfür sollten die Anleger vom 1. November an 0,25 Prozent Zinsen an die Bank bezahlen. So veröffentlichte es die Bank am Donnerstag in ihrem Preisleistungsverzeichnis.

Im Lauf des Tages änderte die Bank ihre Konditionen noch einmal – vermutlich wegen massiver Kritik von Verbandsseite gegen die Pläne. So soll der Strafzins jetzt nur fällig werden, wenn die Gesamteinlagen des Kunden mehr als drei Millionen Euro betragen. Einen Grund für den Sinneswandel in letzter Minute nannte die Bank nicht, ebensowenig teilte sie mit, wie viele Kunden betroffen sind.

Als erste Bank in Deutschland lässt die Skatbank damit ihre gut betuchten Privatkunden voll die aktuelle Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) spüren. Für Geld, das Geschäftsbanken wie die Skatbank bei der EZB anlegen, müssen sie seit einiger Zeit nämlich ebenfalls sogenannte Negativzinsen zahlen. Seit Anfang September beträgt dieser Zinssatz minus 0,2 Prozent. Die EZB will damit erreichen, dass Banken ihre überschüssige Liquidität nicht bei ihr parken, sondern das Geld in Form von Krediten an Verbraucher und Unternehmen weiterreichen.

Finanzkreisen zufolge müssen Firmen und institutionelle Anleger wie Fonds für Geld, das sie bei Banken parken, in einigen Fällen bereits seit längerem negative Zinsen zahlen. Dass solche Minuszinsen von Banken erhoben werden, bestätigte jüngst der Maschinenbauverband VDMA. Konkret angedroht haben dies einige Banken auch schon den beiden Dax-Konzernen Eon und Lufthansa. Beide Unternehmen parken immer wieder hohe Summen für kurze Zeit bei Banken, um liquide zu bleiben und später Investitionen aus eigenen Mittel bestreiten zu können.

Nun müssen bei der Skatbank zum ersten Mal auch reiche Privatanleger Strafzinsen zahlen. „Die Absenkung des Zinses für bestimmte Einlagen in den negativen Bereich resultiert aus der analogen Entwicklung des Zinsniveaus, sowohl bei der EZB als auch am Interbankenmarkt“, begründete der Mutterkonzern der Skatbank, die VR Bank Altenburger Land, den Minuszins für Anleger. Das bedeutet konkret: Die Einlagen der Kunden sind für die Bank derzeit eine Belastung, weil sie nichts damit anzufangen weiß und ihrerseits dafür Strafzinsen bei der EZB zahlen muss. Also reicht sie diese Belastung an die Kunden weiter.

Andere könnten nachziehen

Noch ist nicht klar, ob dies ein Einzelfall bleibt, oder ob andere Banken nachziehen werden: „Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Banken dem Prinzip folgen werden“, vermutet Andreas Liebenow, Finanzplaner der Finum Private Finance in Berlin. Auch Sven Scherner von der Honoris Treuhand in Berlin hält dies für möglich: „Es gibt vereinzelte Wortmeldungen, dass ein solches Vorgehen für die Zukunft nicht ganz ausgeschlossen ist“, so Scherner.

Die Skatbank gehört zum genossenschaftlichen Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken. Deren Verband, der BVR, ist das Vorpreschen der Skatbank offenbar äußerst unangenehm: „Der BVR spricht sich weiter gegen negative Zinssätze für Einlagen von Privatkunden aus. Genossenschaftsbanken berechnen auch weiter regelmäßig keine negativen Zinssätze bei Privateinlegern – trotz des bekannten Einzelfalles“, so der BVR.

Kürzlich hatten Banken und Sparkassen bereits erklärt, dass sie keine negativen Einlagenzinsen für Privatkunden erwarten: „Der intensive Wettbewerb der Kreditinstitute dürfte gegen Negativzinsen im Privatkundenbereich sprechen“, hieß es damals.

Experten zweifeln ohnehin, ob die EZB mit ihrem Negativzins die gewünschte Wirkung erzielt. Denkbar sei, dass die Geschäftsbanken, um den Verlust auszugleichen, den sie mit Kundeneinlagen erzielen, die Gebühren für Dienstleistungen erhöhen oder auch höhere Kreditzinsen verlangen. Die negativen Zinsen für Kunden seien ein Beleg, dass der Kurs der EZB nicht auf Dauer beibehalten werden könne, so der VDMA. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte, dass der negative Einlagenzins nach hinten loszugehen könne.