Wer sein Geld auf einem Tagesgeldkonto zu liegen hat, sollte in Sachen Zinsen genau hinschauen.
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BerlinFrüher war die Sache klar: Statt das Geld unter dem Kopfkissen zu sparen, brachte man es zu Bank und bekam dafür auch noch ordentlich Zinsen. Heute sollte man beim Geldanlegen die Augen genauer aufmachen. Besonders bei kurzfristigen Anlagen sind die Zinsen oft verschwindend gering. Und manchmal zahlt man als Bankkunde sogar drauf. Worauf Sie achten sollten:

Banken nennen es Verwahrentgelt. Umgangssprachlich spricht man vom Negativzins. Betroffen sind neben Tagesgeld- auch Girokonten. Die Höhe richtet sich anteilig nach der Einlage. Meist trifft es Kunden, die 100.000 Euro und mehr auf der hohen Kante zu liegen haben. Vereinzelt wird dieser Freibetrag aber bereits unterschritten.

So erhebt die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck ab dem ersten Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent. Betroffen sind nur Tagesgeld-Konten, die seit dem 1. Oktober 2019 neu eröffnet wurden. Andere Kunden seien davon bislang ausgenommen, erklärte Vorstand Robert Fedinger auf Anfrage.

Höhere Anforderungen als bei anderen Zinsänderungen

Die gute Nachricht ist aber, dass Banken und Sparkassen Negativzinsen oder Verwahrentgelte nicht über den Kopf der Kunden hinweg einführen dürfen. „Will eine Bank von ihren Bestandskunden einen Negativzins erheben, muss sie dies mit den betroffenen Kunden individuell vereinbaren“, erklärt Oliver Maier von Verivox.

Denn für Negativzinsen gelten höhere Anforderungen als andere Zinsänderungen: Einem Urteil des Landgerichts Tübingen zufolge kann die Bank nicht einfach den Preisaushang ändern und so Negativzinsen einführen (Az.: 4 O 187/17). Darauf verweist auch Sascha Straub, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern.

Wird ein Konto neu eröffnet, kann die Bank grundsätzlich ein Verwahrentgelt festlegen. Aber: „Privatkunden müssen noch nicht damit rechnen, dass ein Verwahrentgelt für Einlagen unter 100.000 Euro eingeführt wird. Es müsste individuell vereinbart werden und im Vertrag explizit als Extrakosten erkennbar sein“, so Straub. Sonst sei die Regelung überraschend und unwirksam.