"Jules et Jim" ist ein Muss für alle Cineasten. Was liegt näher an einem kalten Dezember-Abend, als den Spielfilm (Frankreich 1962, Regie: François Truffaut) mit Jeanne Moreau und Oskar Werner bei Netflix noch mal anzuschauen? Doch wer bei der Suchfunktion der Internet-Videothek das Stichwort „Truffaut“ eingibt, erhält die Meldung „keine Treffer“. Bei „Jules“ erscheint lediglich ein Film namens „Surfparty – Bikini-Babes und kaltes Bier“.

Dabei wird Netflix als eine Art TV-Revolutionär gefeiert, der mit dem alten Fernsehschauen und der „20.15 Uhr-Diktatur“ endlich Schluss macht. So – überspitzt formuliert – lautet in etwa die Argumentation der Enthusiasten.

Immerhin: Niemals zuvor war das Angebot an bewegten Bildern so groß. 2014 wird in die Geschichte als das Jahr eingehen, in dem die Online-Videotheken den Durchbruch schafften. Das wichtigste Ereignis war der Start von Netflix hierzulande Mitte September. Netflix ist die globale Nummer eins in seiner Branche, hat weltweit mehr als 57 Millionen Nutzer. Das Prinzip: Der Nutzer bucht ein Abo ab 7,99 Euro pro Monat und kann sich dann so viele Filme, Dokumentation und TV-Serien anschauen, wie er will.

Kaum aktuelle Blockbuster

Die bewegten Bilder werden im Streaming-Verfahren transportiert, also nicht dauerhaft, sondern nur kurzzeitig zum einmaligen Anschauen auf Computern oder TV-Geräten mit Internetanschluss gespeichert. Ganz ähnlich gestrickt sind die Offerten von Maxdome, Sky Snap, Watchever und Amazon Instant Video. Das Angebot ist riesig. Bei Maxdome etwa sind allein knapp 4 000 Spielfilme abrufbar. Gleichwohl hat sich damit nicht der Traum aller Cineasten erfüllt, dass sie sich endlich die wichtigsten Produktionen der Filmgeschichte jederzeit und so oft, sie wollen, anschauen können.

Die Dienste sind keine digitalen Bibliotheken mit einem festen Bestand, der ständig aktualisiert wird. Vielmehr handelt es sich um temporäre Sammlungen, die ihre Zusammensetzung ständig verändern. Hauptkriterium ist dabei nicht der „Besonders wertvoll“-Stempel, sondern das, was gefällt. Um dies immer weiter zu optimieren, fragt etwa Netflix seine Kunden nach ihren Vorlieben.

Die Nutzer können Filme bewerten. Daraus werden neue Vorschläge aggregiert – die Dienste sind also auch Datenkraken. Netflix hat das Prinzip auf die Spitze getrieben und aus gesammelten Kundenwünschen eigene Produktionen destilliert. Das bekannteste Produkt ist die Politthriller-Serie „House of Cards“, für die es von Filmkritikern viel Lob gab. Hinter all dem steckt das Bestreben, die Bibliotheken klein und die Abrufe pro Film hoch zu halten, denn sie müssen für jeden Film Lizenzgebühren zahlen.

Deshalb sind aktuelle Blockbuster in der Regel nicht in den Online-Videotheken zu finden, das wäre viel zu teuer. Das Drücken der Kosten hat viel damit zu tun, dass die Konkurrenz hart ist. Derzeit agiert Snap, das Abruf-Angebot des Bezahlsenders Sky, mit 3,99 pro Monat als Preisbrecher. So wie Netflix tritt auch Maxdome mit 7,99 Euro als Startpreis an. Watchever verlangt 8,99 Euro. Amazons Instant Video gibt es sogar schon für monatlich 4,08 Euro. Dafür muss man sich aber ein Jahr lang binden. Bei den anderen Anbietern kann problemlos jeden Monat gekündigt werden.

Die Preise sind auch davon abhängig, auf wie vielen Geräten die Filme geguckt werden sollen – zwei elektronische Apparate sind der Standard. Das teuerste Netflix-Angebot kostet 11,99 Euro, umfasst vier Geräte und bietet Filme auch schon im neuen TV-Standard 4K mit extrem hochaufgelösten Bildern an.

Aber welche Internetvideothek ist die richtige? Das ist gar nicht so einfach, das muss jeder Nutzer letztlich selbst herausfinden. Hilfreich ist dabei, dass alle Anbieter kostenlose Probe-Abos für einen Monat anbieten – man muss allerdings daran denken, rechtzeitig zu kündigen, wenn’s nicht gefällt. Generell lässt sich sagen: Wer die derzeit beliebten US-Serien von „The Big Bang Theory“ bis „Breaking Bad“ gucken will, ist bei jedem der fünf Streamingdienste gut aufgehoben.

Eine Besonderheit bietet Maxdome, die Tochter des TV-Konzerns Pro Sieben-Sat 1: Fans von Serien, die im normalen Programm laufen – „Grey’s Anatomy“ etwa –, können sich die aktuelle Folge via Internet-Abruf schon ein paar Tage vorher anschauen. Es gibt ansonsten sehr viel aus dem eigenen Programm, bis hin zu alten Folgen von TV Total.

Beim Spielfilmangebot hat die Computerzeitschrift Chip kürzlich einen bemerkenswerten Test gemacht: Die Redakteure suchten in den Online-Videotheken nach den 50 Filmen, die die Nutzer der Plattform Internet Movie Database zu den besten aller Zeiten gewählt haben. Das Ergebnis: Die höchste Trefferquote erreichten Sky Snap und Watchever – allerdings mit lediglich nur 16 Titeln. Es folgten Netflix mit acht und Maxdome sowie Amazon mit jeweils sieben Filmen.

Und wo läuft nun „Jules et Jim“? Hier hilft die Website www.werstreamt.es, die einen Gesamtüberblick der Filmangebote im Internet bietet. Auch was die Web-Stores iTunes und Google Play zu bieten haben, wird hier angezeigt. Truffauts Film gibt es bei Snap, was zum Image des Sky-Angebots als Experten für Klassiker passt. Darüber hinaus kann „Jules et Jim“ aber auch bei iTunes und Google Play sowie bei Amazon und Maxdome gemietet oder gekauft werden.

Hier wird eine weitere Besonderheit deutlich: Reinrassige Flatrate-Anbieter sind lediglich Netflix und Watchever. Amazon und Maxdome verknüpfen den Streaming-Dienst mit einer erheblich teureren Miet- und Kauf-Vermarktungsschiene, die vor allem für Filme gedacht ist, die eher selten abgerufen werden. Beim Mieten können die bewegten Bilder 48 Stunden lang angeschaut werden. Bei einem Kauf werden sie dauerhaft auf dem Rechner gespeichert. Der Cineast kann sie sich dann also anschauen, so oft er will.