Superschnelles Internet, und zwar überall. Das hat Verkehrs- und Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) versprochen. Doch wie kann das gehen? Der renommierte Telekommunikationswissenschaftler Thorsten Gerpott weist in einer aktuellen Studie nach, dass die Politik dabei nicht auf große Konzerne, sondern auf kleine Firmen vor Ort setzen muss.

An ehrgeizigen Zielen mangelt es der Bundesregierung nicht. Sie hat sich vorgenommen, dass 2018 für jeden Haushalt ein Internetanschluss mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde möglich sein soll. Derzeit surft der Deutsche noch im Schnitt mit zehn bis 15 Megabit. Doch der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) geht davon aus, dass der Bedarf nach Bandbreite in den nächsten Jahren sprunghaft steigen wird.

Immer mehr Filme werden in hoher Qualität durch das Netz geschickt. Online-Spiele gewinnen massiv an Bedeutung. Aber auch Firmen brauchen schnelle Verbindungen, da zunehmend mit Programmen und Informationen aus der Datenwolke gearbeitet wird. „Breitband ist der Standortfaktor Nummer eins – noch vor Strompreisen.“ So formuliert der Branchenverband das Fazit einer aktuellen Marktstudie. Bis 2020, so die Breko-Prognose, würden die Mehrzahl der Haushalte und die meisten Firmen sogar eine Bandbreite von 200 Megabit verlangen.

Ein Netzausbauprogramm muss her

Das bedeutet, Deutschland braucht ein enormes Netzausbau-Programm, vor allem auf dem Land. Es gibt viele dünn besiedelte Regionen, wo sich den Bewohner heute über fünf Megabit schon riesig freuen würden. Über den Weg zum superschnellen Internet wird heftig gestritten. Zwei Lager stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite steht die Deutsche Telekom. Auf der anderen Seite der Rest der Telekommunikationsbranche, dazu zählen auch Stadtnetzbetreiber, die sich im Breko organisiert haben. Das sind in der Regel Töchter von Stadtwerken. Die Telekom macht heftig Lobbyarbeit. Ihr Hauptargument: Wer Netze zügig ausbauen will, muss auf große Konzerne setzen und diese stärken.

Die staatliche Aufsicht über die Telekom und die starke Zersplitterung des Marktes stellt der Konzern immer wieder als Investitionshemmnis dar. Als positives Gegenbeispiel führen die Bonner indes die USA an. Dort ist die Regulierung laxer und dort dominieren mit AT&T und Verizon zwei Giganten.

Dieser Argumentation widerspricht der Telekommunikationswissenschaftler Gerpott. In einer Studie weist er nach, dass Ende 2012 in Deutschland ein schneller Glasfaseranschluss für 49 Prozent aller Haushalte verfügbar war. In den USA galt das nur für 40 Prozent. Auch bei der Zahl der vermarkteten Breitbandanschlüsse hinken die USA deutlich hinter Deutschland her. Grund dafür sei ein deutlich höheres Preisniveau, das wiederum durch eine „viel geringere Wettbewerbsintensität“ erklärt werden könne, so der Wissenschaftler.

Subventionen auf dem Land wären hilfreich

Für den ist auch klar, dass insbesondere regionale Festnetzwettbewerber als Infrastrukturausbauer in Frage kommen. Der Grund ist simpel: Es geht vor allem darum, Glasfaserkabel zu verlegen, und bei Tiefbauarbeiten wissen Stadtwerke und deren Töchter Bescheid. Außerdem kennen sie die Kundschaft vor Ort, was bei der Vermarktung hilft.

Allerdings werden sich viele Vorhaben des Breitbandausbaus auf dem Land wegen der dünneren Besiedlung erst nach Jahren rechnen. Ohne Subventionen geht es also nicht. Aber auch dazu hat Gerpott einen Vorschlag: Der Bund könnte seinen Anteil an der Telekom von rund 32 Prozent verkaufen. Das würde zügig knapp 18 Milliarden Euro in die Staatskasse spülen.