Berlins erster Akku-Wechselautomat steht seit wenigen Tagen in der Kreuzberger Prinzenstraße. Die Adlershofer Firma Greenpack hat dort einen Prototypen aufgestellt, dem in diesem Jahr noch fünf bis zehn Automaten im öffentlich zugänglichen Raum folgen sollen. Das Start-up aus Adlershof interpretiert eine alte Idee neu, um das Reichweiten-, Kosten- und Ladeproblem von E-Fahrzeugen zu entschärfen: Warum einen entleerten Akku über Stunden aufwendig nachladen, wenn man ihn an einer Wechselstation in Sekunden gegen einen standardisierten Neuen austauschen kann?

Der grasgrüne Automat wirkt auf den ersten Blick wie eine der kleineren Paketstationen der Post, nur eben nicht in Gelb. Und er funktioniert auch ganz ähnlich, wie Tobias Breyer von Greenpack erklärt: „Per App wählt man den Standort des Automaten, meldet sich an und kann aus dem sich öffnenden Fach einen zuvor reservierten, mit Ökostrom geladenen Standardakku gegen einen leeren tauschen.“

Nachladen in Sekunden

Zu den ersten Kunden zählen nach Breyers Worten Cargobikes verschiedener Transportdienstleister, unter anderem die Rikschas der Firma Velotaxi. Bei steigendem Bedarf könne so eine Station aber auch auf Schrankwandgröße wachsen.

Darauf warten Firmen wie Chargery. Das Start-up betreibt in Berlin einen mobilen Ladeservice auf E-Bike-Anhängern. Bestellt mit einer App, wird Batteriestrom in einer Box etwa für E-Autos von Drivenow ausgeliefert. Entfernt von einer Ladesäule abgestellte Carsharingfahrzeuge werden vor Ort wieder aufgeladen. Teures Umsetzen entfällt. In der mobilen Ladebox von Chargery stecken allerdings zwölf Standardakkus, womit der Wechselautomat noch überfordert ist. „Wir bitten noch um etwas Geduld, bis wir unsere größeren Automaten mit mehr Akku-Wechselfächern aufbauen“, sagt Greenpack-Mann Breyer.

Das Adlershofer Start-up will seinen Kunden den Aufwand mit der Batterie komplett abnehmen. Um Kauf, Zertifizierung, Sicherheit, Laden oder Pflege müssen sie sich nicht kümmern. Die Monatsmiete für einen Standardakku kostet aktuell 30 Euro, der Wechsel zwei Euro, die über die App automatisch bezahlt werden.

Pilotprojekt von Greenpack

Mit einem ähnlichen Konzept für E-Autos war die US-Firma Better Place aus Palo Alto bereits 2013 gescheitert. „Wir konzentrieren uns daher auf Leichtfahrzeuge, kleiner als ein Auto, größer als ein Fahrrad, mobile Energiequellen für Baustellen oder Märkte, aber auch E-Roller und Lastenfahrräder“, sagt Breyer.

Das auf zwei Jahre angelegte Pilotprojekt von Greenpack, das jetzt in Berlin, später auch in Stuttgart und Freiburg startet, kommt rechtzeitig. Insbesondere der innerstädtische Umstieg etlicher Cargo-Dienstleister vom Transporter auf das elektrische Lastenrad macht den Service aussichtsreich. Daneben könnten die Wechselautomaten die Stabilität in Energienetz verbessern. Mehrere Stationen zusammengeschaltet eignen sich auch als Pufferspeicher im Netz, um Lastspitzen auszugleichen, so Tobias Breyer. Das mache das System selbst für Energiefirmen interessant.