Der Billigflieger Easyjet sieht weiterhin großes Wachstumspotenzial am Standort Berlin und heizt den Wettbewerb unter den Fluglinien an: Nachdem bereits ab November der Flugzeugbestand von zehn auf elf Maschinen erhöht wurde, erweitert die Fluggesellschaft mit dem Sommerflugplan 2017 erneut ihre Hauptstadt-Flotte. Dann kommt ein neuer Airbus nach Schönefeld, mit dem auch ab Ende Juni neue Ziele angeflogen werden sollen. Damit wird die Airline in etwas mehr als in einem Jahr – genau seit April dieses Jahres – die Zahl ihrer Maschinen um ein Drittel von damals neun auf dann 12 vergrößert haben.

Die Erweiterung geht einher mit neuem Personal. „Auf diese Weise erhöhen wir die Zahl unserer Berliner Mitarbeiter, die alle deutsche Arbeitsverträge haben, um 36 Mitarbeiter auf über 500“, sagte Deutschland-Chef Thomas Haagensen im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Wie in den letzten Jahren setze Easyjet 2017 weiterhin auf Wachstum und einen Mix aus Reise- und Businesszielen, sagt Haagensen: „Unser Ziel ist es, auch in Zukunft Tourismus und Wirtschaft an unseren deutschen Standorten zu stärken.“

Der Flughafen Berlin-Schönefeld ist seit 2004 die erste Basis der Airline in Deutschland und heute die fünftgrößte des britischen Konzerns. Bis heute flogen mehr als 40 Millionen Passagiere mit Easyjet von und nach Berlin. Allein im Geschäftsjahr 2016 waren es 5,2 Millionen Fluggäste – über acht Prozent mehr als 2015.

Damit wird die Airline ihre bisherigen Prognosen übertreffen. Noch im Oktober war sie davon ausgegangen, im Gesamtjahr 4,8 Millionen Passagiere zu befördern.

Berlin bleibt immer interessant

Haagensen sagte, Easyjet erwartet auch zukünftig eine wachsende Nachfrage in Europa, und ebenso werde sich in Berlin die positive Entwicklung fortsetzen. „In der Stadt passiert immer etwas, es verändert sich viel“, sagte er. Berlin bleibe immer interessant. In diesem Zusammenhang verwies er auf die stärker werdende wirtschaftliche Leistungskraft der Hauptstadt. Dadurch werde Berlin immer mehr auch zu einem Ziel von Geschäftskunden.

Das Wirtschaftswachstum in Berlin wird sich in diesem Jahr erneut überdurchschnittlich entwickeln. In den letzten drei Jahren stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 130 000. Die Arbeitslosigkeit wird im Jahresdurchschnitt zum ersten Mal seit der deutschen Einheit unter die Marke von zehn Prozent fallen.

Haagensen sprach von Preisdruck und Preiskampf auf dem deutschen Markt. In Berlin gebe es in der Branche Überkapazitäten, „auch weil es ein so attraktiver Standort“ sei. Easyjet sei aber in diesem Markt gut aufgestellt: „Wir haben ein gutes Businessmodell und eine gute Kostenstruktur.“ Das dritte Jahr in Folge seien die durchschnittlichen Ticketpreise gesunken. Auch in diesem Winterhalbjahr werde dieser Preistrend anhalten. Das sei gut für die Passagiere, stelle aber auch das Unternehmen vor Herausforderungen.

„Unsere Kostenstruktur ist dabei von Vorteil“, sagte er. Easyjet sei immer als Low-Cost-Carrier unterwegs gewesen mit einer einfachen Strategie: Geschäft nur in Europa, „und von Punkt zu Punkt“. Haagensen betonte: „Daran werden wir nichts ändern.“ Easyjet schaue natürlich auf die Konkurrenz und analysiere diese, sehe aber den Markt dank des eigenen Geschäftsmodells gelassen. Angesprochen auf den Flughafen BER und die Diskussionen um das Nachtflugverbot äußerte er die Erwartung, dass die Rahmenbedingungen sowohl dem Airport als auch den Fluggesellschaften Erfolg ermöglichen sollten.

Neue Zielorte

Im Sommer 2017 wird Easyjet das Angebot aus Berlin vergrößern. Ab 26. Juni fliegt die Airline zweimal wöchentlich die Mittelmeerinsel Korsika an, die damit erstmals von Easyjet ab Deutschland angesteuert wird. Zielort ist die Hafenstadt Bastia. Die Stadt Pula in Istrien steht ab dem 27. Juni dreimal in der Woche auf dem Flugplan der Airline, die bereits Split und Dubrovnik in Kroatien ansteuert. Nach Warna in Bulgarien kann man ab dem 28. Juni an zwei Wochentagen fliegen.