Las Vegas - Von Ultra-dünn bis gebogen: Die beiden größten Anbieter Samsung und LG haben auf der Elektronik-Messe CES Prototypen neuer Flachbildfernseher vorgestellt, die auf Knopfdruck ihre Form verändern. Sie sind mal flach, wie man Fernseher heute kennt, und können auf Wunsch von Motoren gebogen werden - wie eine Leinwand im Kino. Einen Preis oder möglichen Termin für den Marktstart nennen allerdings beide Hersteller bisher nicht.

Die Elektronik-Hersteller sind schwer bemüht, den Kunden neue Fernseher wieder schmackhaft zu machen. Zuletzt war die Nachfrage deutlich gesunken. Die Branche hatte lange davon profitiert, dass Röhrengeräte durch Flachbild-Fernseher ersetzt wurden. Danach wurde die Bildqualität immer weiter verbessert.

Nach Zahlen von Marktforschern läuft ein Fernseher im Schnitt achteinhalb Jahre. Chefanalyst Steve Koenig vom Messe-Veranstalter CEA sieht aber Licht am Ende des Tunnels: Viele Verbraucher warteten bereits auf die nächsten Runde technologischer Neuheiten. In den Jahren 2015 bis 2017 würden viele ihre Flachbildfernseher ersetzen.

Aus 3D-Misserfolg gelernt

Nachdem 3D-Fernseher sich nicht als der erhoffte Käufermagnet herausstellten, will die Branche sich keine Fehler mehr erlauben. Ihre Schlagworte für die diesjährige CES sind Ultra-HD und gebogene Bildschirme. Die Flaggschiffe von Samsung und LG sind riesige Geräte mit Bildschirm-Diagonalen von 105 Zoll (knapp 267 cm).

Durch die Krümmung solle ein räumlicher Effekt entstehen, erklären Manager. Ultra-HD bietet zudem mit vier Mal mehr Pixeln als bisherige HD-Fernseher gestochen scharfe Bilder. Aber Inhalte in dieser Auflösung sind Mangelware - selbst Blu-ray-Discs sind auf das normale Full-HD-ausgelegt. Eine Lösung sollen Filme aus dem Netz bringen.

So tauchte der Chef der Online-Videothek Netflix, Reed Hastings, auf der Messe sowohl bei LG und auch bei Sony auf. Bei dem japanischen Konzern äußerte er sich erstmals dazu, welche Internet-Geschwindigkeit denn nun notwendig sei, um Filme in Ultra-HD-Qualität online abrufen zu können. Die Antwort fiel verblüffend niedrig aus: Schon 15 MBit pro Sekunde könnten laut Hastings schon reichen - allerdings im Moment nur dank einer bei Sony umgesetzten Technologie zur intelligenteren Daten-Kompression. Eine Alternative sind zusätzliche Festplatten, auf die Filme in Ultra-HD geladen werden können.

Die dritte Säule der aktuellen Fernseher ist der Anschluss ans Internet. Die Smart-TVs - Fernseher, die ins Netz gehen und zum Beispiel Inhalte aus Online-Mediatheken abrufen können - sind inzwischen schon Standard. Ihre Bedienung wird aber oft als zu langsam und unbequem kritisiert. Viele Verbraucher schließen sie gar nicht erst ans Netz an. In Las Vegas präsentierten die Hersteller neue Geräte mit Internet-Anschluss, die mit Mobil-Betriebssystemen laufen. Die Branche hofft, durch den Einsatz der auf Smartphones erprobten Software den Kunden eine bekannte Bedienung zu bieten und auch mehr Apps auf ihre Geräte zu bringen.

So werden künftig viele Fernseher der Marken LG, Panasonic und Philips mit Smartphones und Tablets verwandt sein. Dabei setzt der chinesische Hersteller TPV, der Philips-Fernseher baut, auf das führende Smartphone-System Android. Panasonic verwendet das Firefox OS von Mozilla und LG belebt die im Smartphone-Markt gescheiterte Software WebOS wieder.

"Das hat uns ermöglicht, die Bedienung von Fernsehern zu vereinfachen", sagte Technik-Chef Ahn. Rund die Hälfte der neuen Fernseher-Modelle werde WebOS nutzen. Die meisten Fernseher haben heute einen eingebauten Internet-Zugang, die Bedienung wird aber immer noch oft als zu unbequem und langsam kritisiert.

WebOS war vom Taschencomputer-Pionier Palm für seine Smartphones entwickelt worden. Es wurde seinerzeit von Experten wegen seines eleganten Designs und der robusten System-Architektur hoch gelobt, konnte beim Absatz aber nicht mit Android und Apples iPhone-Plattform iOS mithalten. Im Frühjahr 2010 kaufte der PC-Riese Hewlett-Packard Palm, um bei mobilen Geräten Fuß zu fassen. Später stieg der Konzern jedoch aus dem Geschäft mit Smartphones und Tablets aus und damit verschwand auch WebOS zunächst aus dem Markt

Während LG erst noch einen App-Store aufsetzen will, kann TPV bei den Philips-Geräten aus einem Überfluss von Anwendungen in Googles Android-Marktplatz schöpfen. Mit einem Vierkern-Chip soll auch eine große Auswahl von Spielen aus dem Play Store flüssig laufen.

Die Südkoreaner von LG zeigen in Las Vegas auch das gebogene Smartphone G Flex sowie ihr erstes Fitness-Armband Lifeband Touch und Ohrhörer, die den Puls messen können. Zudem kommen drahtlose Lautsprecher ins Programm. LG ist ein Erzrivale des Branchen-Schwergewichts Samsung, der in verschiedensten Produktkategorien vertreten ist.

Das G Flex ist das erste Smartphone, das auch leicht biegsam ist. Allerdings dürften erst spätere Versionen des Geräts wirklich verbogen werden können. Zugleich kann die Rückseite Kratzer mit einer Tiefe von knapp unter einem Millimeter wieder ausgleichen.

Auch für Haushaltsgeräte zeichnet sich ein neuer Trend ab: LG hat bei der CES die neue Plattform Home Chat vorgestellt. Die Technik schreibe auch in ganzen Sätzen zurück. Zum Beispiel werde man seinen Kühlschrank nach dem Inhalt fragen können oder dem Roboter-Staubsauger schreiben, dass er noch eine Runde im Haus drehen solle. Die Plattform werde mit der Zeit auch in Deutschland eingeführt, sagte ein Sprecher.

Allerdings ist eine Unterhaltung mit dem Kühlschrank noch weitgehend Zukunftsmusik: Das Gerät ist darauf angewiesen, dass die Produkte in seinem Inneren mit RFID-Chips versehen sind. Diese werden zwar in der Logistik bereits breit genutzt - aber eher für große Transportverpackungen statt einzelner Artikel.

Das liegt unter anderem daran, dass die Chips trotz bereits gesunkener Preise immer noch einige Cent pro Stück kosten und damit für viele Produkte immer noch zu teuer sind. Die Home-Chat-Plattform ist Teil einer Produktoffensive von LG in neue Bereiche und Technologien. (dpa)