Es ist nichts weiter als ein unauffälliges quadratisch, praktisches Gewerbegebäude. Doch der Bau hat es in sich. Vor einigen Wochen wurden hier 25 600 Akkuzellen installiert. In der Folge wurde viel geprüft, viel verdrahtet. Am Dienstag wird der Bau seiner Bestimmung übergeben. Es handelt sich um Europas größten Batteriespeicher. Energieminister Sigmar Gabriel will kommen, um die Anlage und ihren Betreiber, die Wemag. zu preisen. Denn das kommunale Unternehmen setzt in Schwerin um, was viele Experten bislang für unmöglich hielten: einen Batteriespeicher für erneuerbare Energien. Doch das Projekt hat noch seine Haken.

Berliner Start-up beteiligt

Einfach zu teuer, das war das Hauptargument gegen Megabatterien. Deshalb gibt es bislang nur Pilotanlagen, die mehr oder weniger dazu dienen, die Nutzung von Akkus zu erforschen. „Wir wollen die Anlage profitabel betreiben“, sagt eine Wemag-Sprecherin. Das Berliner Start-up-Unternehmen Younicos hat sie gebaut. Im Grunde ist die Sache ganz einfach. Die 25.600 Akkuzellen sind den Lithium-Ionen-Akkus in Handy und Laptops ähnlich. Sie kommen vom koreanischen Elektro-Giganten Samsung. Die Riesenbatterie hat eine maximale Speicherkapazität von fünf Megawattstunden – das entspricht etwa 250 Batterien, die derzeit in Elektroautos verbaut werden.

Die Schweriner Anlage kann eine maximale Leistung von fünf Megawatt abgeben, das entspricht einem großen Windrad der neuesten Generation. Der Speicher hat rund sechs Millionen Euro gekostet. Ganz ohne staatliche Subventionen ging es aber dann doch nicht. 1,3 Millionen Euro kamen aus einem Fördertopf des Bundesumweltministeriums. Die Anlage soll profitabel laufen, wenn sie 20 Jahre durchhält. Die Kalkulation sei aufgegangen, als Samsung eine 20-jährige Garantie für die Batterien gegeben habe, sagt die Wemag-Sprecherin.

Reserve-Kapazitäten benötigt

Der Schweriner Batteriespeicher ist nicht dafür da, den Strom über einen längeren Zeitraum zu speichern. Sie dient vielmehr dazu, sogenannten Regelstrom zu liefern. Der Hintergrund: Ins Netz muss immer genau so viel Strom eingespeist werden, wie gerade gebraucht wird. Um auch kleinste Schwankungen auszugleichen, werden Reserve-Kapazitäten benötigt, die schnell zugeschaltet werden können – notfalls innerhalb weniger Sekundenbruchteile. Genau das kann der Schweriner Batteriespeicher. Zugleich ist er in der Lage, überschüssigen Strom aufzunehmen, da er in der Regel nur halb gefüllt sein soll.

Dies wird besonders in der Schweriner Gegend gebraucht. Die Region im Nordosten ist ein Dorado für erneuerbare Energien. Der grüne Strom ist aber vom Wetter abhängig. Deshalb schwankt die Erzeugung. Ausgeglichen wird das bislang durch das Herauf- und Herunterfahren konventioneller Kraftwerke.

Weitere Lösungen im Gespräch

Mit dem Batteriespeicher geht die Wemag neue Wege. Mit solchen Lösungen lasse sich das alte fossil-nukleare System in dem Maße kleiner machen, wie das erneuerbare dezentrale System wachse, sagt Younicos-Manager Clemens Triebel. Dem stimmt die Denkfabrik Agora Energiewende zu. Batteriespeicher seien „technisch besonders gut“ geeignet, um Regelstrom bereitzustellen.

„Wir wollen Versorger in Regionen mit hohem Windstromanteil ermuntern, unserem Beispiel zu folgen“, betont denn auch die Wemag-Sprecherin. Ob es massenweise so weit kommt, ist indes offen. In der Branche werden nämlich eine Reihe weiterer Lösungen diskutiert, um die Schwankungen bei Wind und Sonnenstrom auszugleichen. Denkbar wäre, dass Unternehmen kurzzeitig ihren Stromverbrauch herunterfahren und damit ausgleichend wirken. Das könnte finanziell belohnt werden. Gleiches könnte für Windkraftanlagen gelten, die einfach ihre Leistung drosseln, um Überlastungen des Netzes zu vermeiden. Solche Lösungen hätten den Charme, dass keine zusätzlichen Investitionen nötig wären.