Frank-Thomas Wenzel - Satya Nadella soll bei Microsoft die Wende bringen. Der US-Konzern teilte am Dienstag mit, dass der bislang weitgehend unbekannte Manager neuer Vorstandschef wird. Zugleich muss Firmen-Mitgründer Bill Gates seinen Posten als Vorsitzender des Verwaltungsrates räumen. Der 46-jährige Nadella arbeitet seit 22 Jahren bei Microsoft. Er war bislang unter anderem für das Geschäft mit Großrechnern und Lösungen für Unternehmen zuständig. Seit vorigem Jahr kümmert er sich auch um die Sparte Cloud Computing, der Experten ein starkes Wachstum zutrauen.

Der Manager, der aus Indien stammt, hat einige Erfolge vorzuweisen. So schaffte er es, den Umsatz der Serversparte in gut zwei Jahren von rund 16 Milliarden Dollar auf mehr als 20 Milliarden zu steigern.
Nadella wird Nachfolger des Microsoft-Mitgründers Steve Ballmer, der im August 2013 seinen Rückzug angekündigt hatte. Ballmer wird in den Verwaltungsrat wechseln. In den vergangenen Monaten suchte der Verwaltungsrat mit Hochdruck nach einem Nachfolger. Mehrere hochkarätige Manager sagen ab, dazu zählte der Ford-Chef Alan Mulally. Nadella ist nach Gates und Ballmer erst der dritte Chef überhaupt in dem 1975 gegründeten Unternehmen.

Microsoft steht massiv unter Druck, da die Programme des Konzerns zwar immer noch auf den klassischen Desktop-Computer eine wichtige Rolle spielen. Das rasch wachsende Geschäft mit Smartphones und Tablet-Rechnern hat der Konzern verschlafen. Das Windows-Betriebssystem hat bei Computern für Konsumenten noch einen Marktanteil von 19 Prozent. Im Jahr 2000 waren es mehr als 95 Prozent. Mit der Übernahme der Handysparte von Nokia soll nun aufgeholt werden. Zugleich steht der neue Microsoft-Chef vor der Aufgabe, die Sparte mit Unternehmenslösungen weiter zu entwickeln.

Der Konzern hat den Vorteil, dass Windows weltweit in Millionen von Büros genutzt wird. Programme auf Abruf aus der Datenwolke (Cloud) werden hier eine wichtige Rolle spielen. Zwei Drittel des Microsoft-Gewinns kamen zuletzt aus dem Firmenkunden-Geschäft.

Kritische Stimmen

Mit der Ernennung von Nadella ist verknüpft, dass Gates den Vorsitz im Verwaltungsrat abgibt. Insider gehen davon aus, dass Investoren dies durchgesetzt haben, die einen Neuanfang bei Microsoft erzwingen und zumindest an der Spitze des Verwaltungsrates mit einem Externen sehen wollen. Diesen Posten soll John Thompson übernehmen, ein Manager der seit mehr als 40 Jahren in der IT-Branche aktiv ist. Er hat unter anderem für IBM und Symantec gearbeitet. Gates bleibt im Verwaltungsrat und soll künftig das Management bei der Produktentwicklung beraten. Thompson hatte auch das Gremium geleitet, das den neuen Vorstandschef suchte.

Von Börsianern gab es Applaus für die Personalien. Die Microsoft-Aktie legte im frühen Handel an der Wall Street leicht zu. Allerdings gab es auch sofort kritische Stimmen. Die erste Frage sei, ob ein Microsoft-Veteran wie Nadella das gleiche Maß an frischem Denken in das Unternehmen bringen könne wie ein Externer, sagte der Analyst Daniel Ives der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Entscheidend werde sein, welche Rolle der Verwaltungsrat mit den beiden Gründern Gates und Ballmer künftig spiele.

Gates war zwar Vorsitzender des Verwaltungsrates, er hatte sich zuletzt aber vor allem dem Kampf gegen Krankheiten in seiner Stiftung gewidmet. „Ich werde wieder deutlich mehr Zeit im Unternehmen verbringen“, sagte Gates am Dienstag in einer Videobotschaft.