Der zeitgleiche Ausfall von zwei neuen Braunkohlekraftwerksblöcken des Energieriesen RWE hat das deutsche Stromnetz am vergangenen Donnerstag erheblich belastet. Wie aus Daten der Netzbetreiber hervorgeht, fielen am Nachmittag innerhalb von sieben Minuten die beiden Blöcke F und G des Kraftwerks Neurath bei Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen aus.

Unvorhergesehene Kraftwerksausfälle sind nichts Ungewöhnliches. Doch die beiden erst im Sommer in Betrieb genommenen Blöcke sind enorm leistungsstark: Zusammen kommen sie auf 2100 Megawatt Leistung, so viel wie zwei Kernkraftwerke. Beim zuständigen Netzbetreiber Amprion hieß es, die im europäischen Netz vorgehaltenen Reserven an schnell verfügbarer Regelleistung seien deshalb „ziemlich ausgeschöpft“ gewesen. Das System habe aber funktioniert, der Vorfall sei deshalb „nichts Außergewöhnliches“.

Dennoch gilt ein plötzlicher Ausfall von zwei Großanlagen als problematisch. Würden durch Zufall noch weitere Kraftwerke zeitgleich ausfallen, könnte es aufgrund der bereits aufgebrauchten Reserven zu einer kritischen Situation kommen. Ein RWE-Sprecher bestätigte den Vorfall und sagte, zum Zeitpunkt des Ausfalls habe Block G per „Hilfsdampfbetrieb“ Block F mitversorgt. Durch einen Fehler in der Technik der Leitwarte sei Block G heruntergefahren worden – wenige Minuten später folgte Block F. Erst in der Nacht konnten die beiden Anlagen wieder gestartet werden.

Die beiden neuen Braunkohleblöcke im zweitgrößten Kraftwerk Europas werden von von Umweltschützern heftig kritisiert. Trotz effizienterer Technik entsteht bei der Verbrennung von Braunkohle sehr viel mehr Kohlendioxid als zum Beispiel in Gaskraftwerken.