Nicht nur Lützerath: Infografik zeigt, woher und wie teuer Deutschland die Kohle bezieht

Die russische Steinkohle ist in der EU seit August unerwünscht. Dafür wurde sie 2022 zum doppelten Preis aus den USA und Kolumbien importiert. Ein Überblick.

Braunkohlekraftwerk Neurath im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Grevenbroich">Grevenbroich</a>, Nordrhein-Westfalen, bekannt als Deutschlands größtes Kohlekraftwerk.
Braunkohlekraftwerk Neurath im Grevenbroich, Nordrhein-Westfalen, bekannt als Deutschlands größtes Kohlekraftwerk.Federico Gambarini/dpa

Deutschland hält am Kohleausstieg bis spätestens 2038 fest. Bis es so weit ist, muss noch ordentlich gedampft werden, denn nur so kann die Energiesicherheit Deutschlands nach dem Ausstieg aus der Atomkraft garantiert werden.

Dazu sollen bis April 2024 nach einem Beschluss des Wirtschaftsministeriums die Reservekohlekraftwerke in Deutschland laufen, die für die Gaskraftwerke „eingesprungen“ sind.

Ein Bagger schaufelt Erdreich am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler, im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Neurath.
Ein Bagger schaufelt Erdreich am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler, im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Neurath.Federico Gambarini/dpa

Dafür wird in Deutschland an vielen Orten noch die Braunkohle abgebaut. Das Wirtschaftsministerium wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, mit dem Braunkohleort Lützerath im Tagebau Garzweiler die Kohleproduktion in Deutschland zu erhöhen und die Klimaziele zu gefährden.

Noch drei Braunkohlereviere in Deutschland

„Der Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier wird auf 2030 vorgezogen und kommt damit acht Jahre schneller als bislang geplant“, sagt die Energie-Sprecherin des Ministeriums, Susanne Ungrad, der Berliner Zeitung. Das helfe, die Klimaschutzziele zu erfüllen. Zudem werde der Tagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen begrenzt. Die im Tagebau vormals genehmigten Grenzen für den Kohleabbau in der Höhe von 560 Millionen Tonnen werden auf rund 280 Millionen halbiert, so die Ministeriumssprecherin. „Rund 280 Millionen Tonnen Braunkohle bleiben somit gesichert im Boden, weil die Dörfer darüber nicht mehr abgebaggert werden können.“ Im Lausitzer (Brandenburg/Sachsen) und im Mitteldeutschen Revier (Sachsen-Anhalt) wird der Kohleabbau seit Jahren ebenfalls reduziert.

Deutschland importiert mehr Steinkohle in Tonnen

Seit 2018 wird in Deutschland keine Steinkohle mehr abgebaut. Dafür wird sie anders als die Braunkohle, deren Importe sich im niedrigen Bereich von knapp 80.000 Tonnen jährlich bewegen, im großen Stil importiert. Nach den letzten Angaben des Statistischen Bundesamtes, die der Berliner Zeitung vorliegen, hatte Deutschland im November 2022 zwar rund 41 Prozent mehr Steinkohle eingeführt, als noch vor einem Jahr. Doch in der Jahresbilanz 2022 bis November ist der Anstieg deutlich kleiner: plus 16 Prozent, oder 38,9 Millionen Tonnen im Januar-November 2022 gegen 33,6 Millionen Tonnen im gleichen Vorjahreszeitraum. 

USA, Australien und Kolumbien ersetzten Russland

Seit dem 10. August darf keine Kohle mehr aus Russland in die EU eingeführt werden, Stichwort Kohle-Embargo. Die Steinkohle-Einfuhren Deutschlands nach dem Wert haben sich 2022 vor diesem Hintergrund mehr als verdoppelt. Für 35,2 Millionen Tonnen im Januar-November 2022 mussten deutsche Lieferanten nach Daten des Statistischen Bundesamtes rund 11,4 Milliarden Euro bezahlen, oder 212 Prozent mehr, als noch 2021. Das zeugt davon, dass der Kohlepreis sich mehr als verdoppelt hat.

Geht es um die Alternativen zu Russland, haben Kohleproduzenten aus den USA, Australien, Kolumbien und Südafrika ihre Lieferungen an die EU 2022 deutlich ausgeweitet. Die USA haben zum Beispiel in den ersten elf Monaten des letzten Jahres Steinkohle im Wert von 2,3 Milliarden nach Deutschland geliefert: Das sind knapp 175 Prozent mehr, als im gesamten Jahr 2021. Ähnlich schneidet auch die Steinkohle aus Kolumbien ab, die wegen der Menschenrechtsverletzungen beim Abbau als „blutig“ kritisiert wird.

Mehr Kohle bei der Stromerzeugung, weniger Atomkraft

Nach den letzten Daten des Statistischen Bundesamtes hat der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung im 3. Quartal 2022 von 31,9 auf über 36 Prozent zugenommen. Ein wesentlicher Rückgang ist dabei bei der Kernkraft zu verzeichnen. Das liegt an den zurückgeschraubten Kapazitäten der drei verbliebenen AKW. Interessanterweise hat sich der Anteil des Erdgases an der Stromerzeugung trotz der Energiekrise von 8,8 auf 9,2 Prozent erhöht.