Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej J. Netschajew, hofft auf eine bessere Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung von Joe Biden im Hinblick auf Nord Stream 2. Netschajew schreibt in einem Statement für die Berliner Zeitung: „Die Versuche der vorigen US-Administration, das Projekt durch Erpressung, Drohungen und exterritoriale Sanktionen zu verhindern, waren Ausdruck unlauteren Wettbewerbs und illegitim. Wir hoffen, dass die neue US-Regierung ihre Partner und die Grundsätze des internationalen Handels respektieren wird.“ Netschajew schreibt, dem „rein wirtschaftlichen multilateralen Projekt wurden alle benötigten Genehmigungen erteilt“. In diesem Projekt stecke viel Mühe und Geld: „Es entspricht den Interessen der deutschen und europäischen Gasverbraucher und trägt zur Diversifizierung der Energieversorgung bei. Es stärkt die Energiesicherheit der Bundesrepublik angesichts der Energiewende und fördert die Umsetzung der Klimaziele.“

Netschajew glaubt, dass ein Baustopp für Nord Stream 2 den „Glauben der Investoren an die Gültigkeit der abgeschlossenen Kontrakte untergraben“ würde. Dies könnte „negative Folgen nach sich ziehen und wird den Wunsch verstärken, protektionistische und politische Maßnahmen eigener Interessen zugunsten häufiger zu ergreifen“.

Spekulationen über Europas angeblich wachsende Abhängigkeit vom russischen Erdgas seien unbegründet. Es gebe mehrere Lieferanten und Lieferwege. Niemand habe ein Verkaufsmonopol. Entscheidungen sollten aufgrund „klarer und transparenter Marktmechanismen getroffen“ werden.

Russland, Deutschland und Europa seien in der Lage, „ihre Energiepolitik souverän zu bestimmen also ohne Einmischung und „Tipps“ von außen und auf der Grundlage der Erfahrungen der mehr als 50-jährigen fruchtbaren Zusammenarbeit“.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan hat dagegen das sofortige Aus für den Bau von Nord Stream 2 gefordert. „Genug ist genug“, schrieb der Grünen-Politiker am Mittwoch bei Facebook. Die Bundesregierung müsse das mit Russland geplante Pipeline-Projekt durch die Ostsee jetzt „sofort und endgültig stoppen“.

Das Pipeline-Projekt untergrabe die europäische Solidarität mit den osteuropäischen Nachbarn und mache diese erpressbar. Energiepolitisch sei das Projekt „schon immer völlig überflüssig und schädlich“ gewesen. Auch habe er „kein Verständnis für Ministerpräsidenten, die mit juristischen Winkelzügen dieses Projekt gegen jede Vernunft durchdrücken wollen“, schrieb der Minister mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD), die zur Vermeidung von US-Sanktionen eine Stiftung gegründet hatte. Die Stiftung wird von Gazprom finanziert. (mit dpa)