Nord Stream AG schickt Schiff zum Ort der Explosion

Das Unternehmen will die Ursache für die Explosionen finden. Die Erkundung ist wichtig für die Frage, ob die Versicherungen den Schaden bezahlen. 

Hier soll sich das Nord-Stream-Schiff befinden.
Hier soll sich das Nord-Stream-Schiff befinden.Grafik: via Twitter

Ein von der Nord Stream AG gechartertes Spezialschiff hat den mutmaßlichen Ort der Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens erreicht.

Das in der Schweiz ansässige Unternehmen hatte am Donnerstag bekannt gegeben, dass man seitens der schwedischen Behörden die Erlaubnis erhalten habe, die Schäden an der im Eigentum von Nord Stream 2 befindlichen Pipeline zu inspizieren. Nach Durchführung der Kalibrierungsarbeiten würden die Spezialisten innerhalb von 24 Stunden bereit sein, um mit der Vermessung des Schadensbereichs zu beginnen, die nach ursprünglicher Schätzung des Unternehmens drei bis fünf Tage dauern würde. Am Sonntag meldeten US-Militäranalysten, dass mit Radaraufnahmen die Bewegung von Schiffen registriert worden sei. Es soll sich bei dem Schiff um die russische „Nefrit“ handeln, ein Schiff, das 2004 in Norwegen gebaut wurde. Das Schiff soll von einem oder mehreren Schiffen der schwedischen Marine begleitet worden sein. Auch das deutsche Schiff „Bayreuth“, das die Umweltverschmutzung in der Gegend kontrolliert, soll am Samstag in den Gewässern gewesen sein.

Für die Untersuchung des in der dänischen ausschließlichen Wirtschaftszone befindlichen Teils der beschädigten Pipeline wartet die Nord Stream AG noch auf die Entscheidung der Behörden über die Erteilung der erforderlichen Genehmigungen für die Schadensfeststellung.

Für Nord Stream ist es wichtig, die Ursache herauszufinden, um den Schaden bei der Versicherung melden zu können. Sollten die Betreiber zu dem Ergebnis kommen, dass es sich um „höhere Gewalt“ gehandelt habe, müsste die Versicherung für den Schaden aufkommen. Im Falle einer Sabotage durch Gazprom selbst würde die Versicherung nicht greifen, so ein Rechtsexperte von Fenchurch Law laut Reuters. Die Versicherungen würden dies als „Kriegshandlung“ klassifizieren. Solche Handlungen sind nicht von den in den Policen aufgeführten Schadensursachen gedeckt. Sollte die Explosion durch einen Terrorakt oder durch westliche Einheiten ausgelöst worden sein, müssten die Versicherungen zahlen. Der Schaden dürfte in die Hunderte Millionen Euro gehen. Unter den wichtigsten Versicherern sind laut Reuters Munich Re, Lloyd’s und Zurich. Die Gesamtkosten von Nord Stream 2 lagen bei 7,8 Milliarden Euro. Ein weiteres Problem für die Nord Stream AG: Laut Euractiv prüfen die Versicherer aktuell, ob sie die Verträge für die Pipeline erneuern sollen. Die Versicherer müssen vor allem die neuen, verschärften Sanktionen gegen Gazprom ins Kalkül ziehen. Die neue Lage würde in jedem Fall zu einer Erhöhung der Versicherungskosten führen. Will gar niemand mehr die Pipeline wegen der hohen Risiken versichern, würde dies mit hoher Wahrscheinlichkeit das endgültige Aus für die Pipelines bedeuten.

Wer wirklich hinter dem Anschlag steckt, ist unklar. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte kürzlich, er habe aus den skandinavischen Ländern die Auskunft erhalten, dass es noch keine klare Aussage über die Täterschaft geben könne. Russlands Präsident Wladimir Putin bezichtigte zunächst die US-Regierung, hinter dem Anschlag zu stecken. Am Samstag teilte das russische Verteidigungsministerium mit, man habe Erkenntnisse, dass „Vertreter einer Einheit der britischen Marine an der Planung, Vorbereitung und Durchführung eines terroristischen Anschlags in der Ostsee am 26. September dieses Jahres beteiligt“ gewesen seien. Belege für diese Anschuldigungen lieferte das Ministerium nicht.