Die Preise auf den europäischen Gasmärkten ziehen weiter deutlich an. An den europäischen und britischen Referenzmärkten erreichten sie am Mittwoch neue Rekordwerte. Grund für die deutlichen Preissteigerungen sind sowohl niedrige Lagerbestände als auch eine steigende Nachfrage angesichts des nahenden Winters. Auch ein eingeschränktes Angebot trägt zu den Preissteigerungen bei. Die Entwicklung war auch Thema beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs im slowenischen Brdo pri Kranju. In einem gemeinsamen Statement fordern Spanien, Frankreich, Tschechien, Griechenland und Rumänien eine Untersuchung des europäischen Gasmarkts, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Spekulationsgeschäfte mit CO2-Zertifikaten zu begrenzen. Außerdem will die EU eine gemeinsame strategische Gas-Reserve anlegen. Die EU-Kommissionspräsidentin sagte, man wolle den Strompreis vom Gaspreis abkoppeln. Damit soll ein massiver Anstieg der Strompreise verhindert werden. Die Energiekosten belasten bereits jetzt die Europäer, vor allem in Form einer ständig steigenden Inflationsrate. In der EU sind die Energiekosten überproportional stark in der Berechnung der Inflation angesetzt.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Mittwoch in Moskau, die Europäer seien selbst schuld am Anstieg der Preise. Sie hätten die vorteilhaften „langfristigen Verträge“ aufgekündigt und stattdessen auf den kurzfristigen Handel an den Rohstoffbörsen gesetzt: „Es hat sich herausgestellt, und heute ist das ganz offensichtlich, dass dies eine falsche Politik ist“, sagte Putin. Ein Sprecher von Putin wies die Vorwürfe einer künstlichen Verknappung der Gaslieferungen durch Russland zuvor zurück. „Russland hat all seine Verpflichtungen unter gültigen Verträgen erfüllt, erfüllt sie jetzt noch und wird sie auch weiter erfüllen“, sagte der Sprecher. Zuletzt waren Anschuldigungen laut geworden, wonach Russland absichtlich Gaslieferungen zurückhalte, um Druck auf den Westen auszuüben. Für die Inbetriebnahme der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 fehlt noch die Zertifizierung deutscher Behörden. (BLZ, mit AFP)