Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), kann nach eigenen Angaben nur zehn bis 15 Prozent seiner bestehenden Lieferverträge auf andere Ziele umleiten. Das sagte der katarische Energieminister Saad al-Kaabi am Dienstag. Er sagte, es sei „fast unmöglich“, die russischen Erdgas-Lieferungen nach Europa zu ersetzen. „Russland (liefert), ich glaube, 30 bis 40 Prozent der Lieferungen nach Europa. Es gibt kein einzelnes Land, das diese Art von Volumen ersetzen kann, es gibt nicht die Kapazität, dies mit LNG zu erreichen“, sagte al-Kaabi am Dienstag laut Reuters auf einer Erdgas-Konferenz in Doha. Und weiter: „Die meisten Flüssigerdgase sind an langfristige Verträge und sehr klare Bestimmungsorte gebunden. Es ist also fast unmöglich, diese Summe an Volumen so schnell zu ersetzen.“

Im Fall von Katar seien nur bis zu 15 Prozent der LNG-Verträge umleitbar, fügte er hinzu.

Seit einigen Wochen, während sich die Russland-Ukraine-Krise verschärft, verhandeln die Vereinigten Staaten und Europa mit Energieunternehmen und großen Gasförderländern weltweit über die Möglichkeit, russische Lieferungen für Europa zu ersetzen.

Laut Oilprice.com wurden sogar Gespräche mit großen LNG-Importeuren in Asien geführt, darunter Japan, Südkorea, Indien und sogar China. Sie sollten einen Teil ihrer Gaslieferungen nach Europa schicken, falls die Krise zwischen Russland und der Ukraine weiter eskaliert. Offenbar sehen sich aber die meisten Lieferanten außer Stande, die russischen Exporte zu substituieren.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte am Dienstag bekannt gegeben, die Zertifizierung für Nord Stream 2 zu stoppen. Dieser Prozess würde allerdings ohnehin bis Juni dauern, und kann von der Behörde im Bedarfsfall auch verkürzt werden. Trotzdem führt die Entwicklung zu steigenden Energiepreisen und stellt die Bundesregierung vor die Aufgabe, eine allfällige Alternative zum russischen Gas zu finden, sollte die Lage eskalieren.

Die endgültige Entscheidung über Nord Stream 2 wird erst in einigen Monaten fallen. Zunächst muss ein Bericht über die Auswirkungen des Projekts auf die Versorgungssicherheit erarbeitet und vorgelegt werden. Auf die Frage, ob dessen Erstellung Wochen, Monate oder Jahre in Anspruch nehme werde, sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch in Berlin: „Ich rechne nicht mit Wochen.“ (BLZ)