Russland hat Nord Stream zerstört? „Das ist doch absurd!“

Der Philosoph und einstige Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin äußert sich in der Berliner Zeitung zum Ukraine-Krieg und zum Nord-Stream-Attentat.

Julian Nida-Rümelin
Julian Nida-RümelinSebastian Gollnow/dpa

Der Philosoph und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin hat mit Susanne Lenz, Kulturchefin der Berliner Zeitung, über den Ukraine-Krieg und das Nord-Stream-Attentat gesprochen. Er nennt die Behauptung, Russland habe seine eigene Pipeline zerstört, einen Verschwörungsmythos.

„Verschwörungsmythen haben zwei Merkmale, sie sind absurd und befriedigen zugleich Wünsche; hier, dass Russland an allem Übel schuld sein soll. Da mache ich mir Sorgen um die Demokratie, wenn die Urteilskraft in einer Krise so rasch und so stark leidet. Man muss seine Urteile faktenbasiert bilden, nicht wunschbasiert.“

Nida-Rümelin fürchtet, dass im weiteren Verlauf des Krieges die Welt in eine Situation hineinschlittern könne, in der sie wieder im Kalten Krieg aufwacht, weil Russland und China einen mehr oder weniger stabilen Ostblock unter der Ägide Chinas bilden. „Der Eiserne Vorhang wird dann möglicherweise in der Ostukraine niedergehen, wir werden umfassend deglobalisieren, wahrscheinlich hauptsächlich auf dem Rücken des globalen Südens.“ Das könne niemand wollen.

Wie kann man in Europa zu einer stabilen Sicherheitsarchitektur kommen?

„Wenn jetzt manche Strategen darauf hoffen, dass dieser Krieg dazu führen wird, dass Russland als Großmacht abdankt, dann haben sie ein Interesse, dass der Krieg möglichst lange dauert, ein Abnutzungskrieg, der Russland schwer beschädigt zurücklässt, auf dem Rücken der ukrainischen Bevölkerung. Das ist ein zynisches Kalkül.“ Er glaubt, dass eine andere Herangehensweise nötig ist, nämlich, wie man in Europa wieder zu einer stabilen Sicherheitsarchitektur kommen könne.

Das Interview ist jetzt auf den Online-Seiten der Berliner Zeitung verfügbar. Es wird ebenso in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung, am 31. Dezember 2022, erscheinen. Feedback an: briefe@berliner-zeitung.de wenden.

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