In Oslo regieren immer mehr E-Autos.
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BerlinEs geht um die Umwelt und um ein besseres Stadtklima. Sich aber deshalb vom geliebten Diesel oder Benziner zu trennen, scheint für viele Berliner Autofahrer noch ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Hört man sich in der Stadt um, zeigen sich die meisten Pkw-Besitzer kaum bereit, künftig ihren Verbrenner abzuschaffen und auf ein in der Anschaffung teures Elektroauto umzusteigen.

In Norwegen ab 2025 keine Zulassungen mehr für Verbrennungsmotoren

Der Abschied von Benzin und Diesel kann funktionieren. Norwegen macht es vor. In dem Land der Fjorde schätzen die Menschen ihre einzigartige Umwelt aus Meer und Bergen. Ein Grund, warum dort bereits ab 2025 kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden darf. 2016 kam der Plan dafür nicht etwa von einer Öko-Partei, sondern von der konservativ-liberalen Regierung, der nun umgesetzt wird. In der Hauptstadt Oslo wurde bereits, mit Ausnahmen, ein Fahrverbot für Dieselautos durchgesetzt. Großen Protest gab es keinen.

Im Gegenteil: Norwegen ist weltweit Vorreiter bei der Einführung der Elektromobilität. Wer dorthin kommt, stellt sofort fest: In dem skandinavischen Land, in dem 5,3 Millionen Menschen leben und es insgesamt 2,7 Millionen Pkw gibt, surren auffällig viele Elektroautos auf den Straßen. Aktuell sind es über 250.000 – so viele wie in keinem anderen Land. Zum Vergleich: Auf deutschen Straßen rollen insgesamt 47 Millionen Autos, davon nur 87.000 mit E-Motor.

Norwegen Vorreiter in Sachen Elektromobilität

In Norwegen, dass seinen Reichtum ausgerechnet der Erdölförderung verdankt, geht der Trend zu E-Autos immer weiter. Der Elektroautoverband teilte jetzt mit: Allein 2019 ist der Absatz der Elektro-Fahrzeuge um 33,7 Prozent zum Vorjahr gestiegen. In diesem Jahr rechnet man mit einem Anstieg um sogar 60 Prozent. Hält der Trend an, wird es ab 2015 kaum noch „normale“ Autos in dem Land geben, so Verbandschefin Christina Bu. Noch 2020 sollen bis zu 30 neue E-Modelle auf den Markt kommen. Auch von deutschen Firmen wie VW, dessen E-Autos bei uns Seltenheitswert haben.

Anders als Berlin hat Norwegen frühzeitig die Infrastruktur auf E-Mobilität umgesetzt, sagt Jens Clausen vom Berliner Borderstep-Institut, Autor der Studie „Fallbeispiel Elektromobilität Norwegen“. In dem Land gebe es genug E-Zapfsäulen, die in den Städten sogar in großer Anzahl auf Parkplätzen stehen. „Und die Norweger haben keine Angst davor, dass sie mit den Elektroautos keine großen Strecken zurücklegen können. Die Batterien haben mittlerweile eine Reichweite bis zu 300 Kilometern. Ein Ladevorgang dauert nur Minuten“, sagt der Experte.

Steuern fallen weg bei Anschaffung

Die E-Auto-Begeisterung der Norweger fing vor über 30 Jahren mit einem Aha-Effekt an: Die Pop-Band A-ha und ein Wissenschaftler fuhren damals mit auf Solarantrieb umgebauten Fiat Pandas durchs Land, verweigerten die Zahlung der Maut, die auf den meisten Straßen des Landes gilt. Nach einem Rechtsstreit knickte die Politik ein, erließ die Maut generell für E-Autos, die damals noch eine Minderheit waren. Da deren Anzahl rasant zunimmt und so Kommunen nun wichtige Steuereinnahmen fehlen, müssen E-Auto-Besitzer derzeit 50 Prozent der eigentlichen Maut-Gebühr zahlen.

Anders als Berlin setzt Norwegens Regierung nicht nur auf ein Verbot, um Autos mit Verbrennungsmotoren aus dem Verkehr zu ziehen. Sie fördert auch den Umstieg auf das E-Auto.

Sprit in Norwegen 20 Prozent teurer als in Deutschland

Wer ein solches neu kauft, muss seit 2012 die Mehrwertsteuer (25 Prozent) nicht mehr zahlen. Auch die zusätzliche „Luxussteuer“, die die Neuwagenpreise in Norwegen extrem nach oben treibt, entfällt. Auch ist man von der Kfz-Steuer befreit.

Kein Wunder, dass immer mehr Norweger E-Autos wollen, so Experte Clausen. In seiner Studie rechnet er vor: Ein VW Golf (Diesel) kostet mit Steuern etwa 31.000 Euro, das E-Modell (ähnliche Ausstattung) nur 27.000 Euro. Der „Treibstoff“ Strom ist in Norwegen mit 19 Cent/kWh (Deutschland: 30 Cent/kWh) günstig, Sprit dagegen 20 Prozent teurer als bei uns.