Indien ist für große Pharmakonzerne im Moment kein gutes Pflaster. Eine Niederlage nach der anderen müssen sie vor den Gerichten des Subkontinents kassieren, bei dem Versuch, einen besseren Patentschutz für ihre Arzneimittel zu erstreiten. Die indischen Gerichte stellen das öffentliche Wohl, das Wohl der Patientinnen und Patienten, aber regelmäßig über die wirtschaftlichen Interessen der Pharmakonzerne.

Anders als man auf den ersten Blick meinen könnte, ist das aber nicht etwa das rowdyhafte Vorgehen eines aufstrebenden Schwellenlandes, das sich nicht um Patentrechte schert, es steht im Einklang mit internationalen Recht. Der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung kann über den Patentschutz gestellt werden.

In Indien verdienen zwei Drittel der 1,2 Milliarden Einwohner weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Sie sind auf billige Arzneimittel angewiesen. Die Regierung hat deshalb einem Generikahersteller erlaubt, das teure Krebsmittel Nexavar von Bayer als günstigere Kopie auf den Markt zu bringen. Trotz Patentschutz. Und dass Konzerne aus wirtschaftlichen Gründen systematisch die Formulierung alter Arzneien abwandeln, um sie erneut unter Patent zu stellen, akzeptieren die Inder ebenfalls nicht.

Das ist eine gesunde Sicht der Dinge. Sie stellt den Patienten in den Mittelpunkt. Und sie fordert die Pharmaindustrie heraus: Sie muss wirklich innovative Medikamente zu bezahlbaren Preisen liefern.