Rom - Die schöne Mamma steht am Herd und kocht Spaghetti, während der Papa mit den Kindern spielt. Und dann sitzt die ganze Familie glücklich am Tisch vor der dampfenden Pasta.

In der italienischen Fernsehwerbung wird die Illusion von der heilen, althergebrachten Kleinfamilie noch sehr eifrig gepflegt, und das soll auch weiter so bleiben, wie jetzt der Chef des Teigwarenherstellers Barilla in einem Radiointerview betont hat: „Ich werde nie einen Spot mit einer homosexuellen Familie machen. Für unser Unternehmen gilt der Wert der klassischen Familie, in der die Frau eine grundlegende Rolle hat.“

Das sage er nicht, weil er etwas gegen die Homo-Ehe oder Homosexuelle habe – so lange es kein Adoptionsrecht für sie gebe -, fügte Guido Barilla hinzu, „aber wenn denen das nicht gefällt, dann sollen sie eben eine andere Pasta essen.“

Der 55-jährige Unternehmer hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass er einen Wirbel hervorrufen würde, wie sonst nur der Papst, wenn er sich zum Thema Schwule äußert. Barilla wird Homophobie vorgeworfen, die italienischen Schwulenvereinigungen Gaynet und Arcigay sowie einige linke Politiker haben zum Boykott der Nudelmarke und anderer Produkte des Lebensmittelherstellers aufgerufen – unter dem Slogan: „Wir sind alle aus derselben Pasta“.

Der Schwulen-Aktivist Franco Grillini verweist darauf, dass Barilla mit der Beschwörung des Familienbildes der 50er-Jahre eine Welt vorgaukele, die es auch in Italien längst nicht mehr gibt: „60 Prozent der Italiener leben allein,  alleinerziehend oder in homosexueller Partnerschaft.“

Auch der Werbefotograf Oliviero Toscani, der mit provozierenden Kampagnen für Benetton berühmt geworden – in denen er etwa einen Aids-Sterbenden zeigte - will keine Barilla-Pasta mehr essen. „Ich schäme mich, dass Italien ein altmodisches, altertümliches Land ist. Alles andere als kreativ.“ 

Im Internet ist ein Sturm des Protestes, aber auch der Ironie losgebrochen. „Schwulenfeinde, wo es Barilla gibt, da ist euer Zuhause!“, heißt es da, in Abwandlung der Werbung „Wo es Barilla gibt, da ist ein Zuhause“.

Unter dem Hashtag #BarillaBoycottüberbieten sich Twitter-Nutzer gegenseitig mit Anti-Werbe-Slogans für Barilla: "Ich mag keine Pasta Omofobia" oder "Basta mit eurer Pasta!" lauten die Tweets. Auch bei Facebook wurde bereites eine Seite "Barilla Boykott" gegründet.

Auf Blogs erschienen Fotos von Barilla-Packungen im Müll. Sogar ein Schwulen-Werbespot als Parodie steht schon im Netz: Ein junger Mann kocht Pasta für seinen Partner, dann schieben sie sich liebevoll gegenseitig Nudeln in den Mund.

Guido Barilla versuchte es am Donnerstag mit einer halbherzigen Entschuldigung, es tue ihm leid, dass er missverstanden worden sei. Werbefachleute und Konsumsoziologen sprechen von einem gravierenden Fehler.

Der Chef des familiengeführten Unternehmens mit 15.000 Mitarbeitern, das in Deutschland neben Nudeln das Wasa-Knäckebrot verkauft, habe mit seinen Äußerungen große Kundenkreise vergrault. In den USA würden Marktstrategien entworfen, um Homosexuelle zu erobern, weil sie als wohlhabende, gebildete Konsumentengruppe gelten, die bereit ist Geld auszugeben.

Konkurrenz nutzt das PR-Desaster

Die Konkurrenz hat prompt reagiert. „Im Haus Buitoni gibt es Platz für alle“, „Die einzigen Familien, die nicht zu Garofalo gehören, sind die, die keine gute Pasta mögen“, werben andere Nudelhersteller jetzt.

Die Präsidentin des italienischen Abgeordnetenhauses, Laura Boldrini, hatte erst vor wenigen Tagen geklagt, das italienische Fernsehen sei voller Frauen am Herd und voller Stereotype, die andernorts in Europa so nicht mehr akzeptiert würden.