Köln - Es gibt Menschen, die schafften das Bargeld lieber heute als morgen ab: Verbrecher und Diebe hätten es dann etwas schwerer. Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Korruption – das alles würde ohne Bargeld zwar nicht verschwinden, aber zumindest deutlich mehr Spuren hinterlassen. Glauben zumindest die Befürworter der  Bargeldabschaffung.

Aber: Bargeldlos  leben –  funktioniert das  überhaupt? Wie lebt es sich eine Woche lang ohne Bargeld? Nur mit EC- oder Kreditkarte? Ein Selbstversuch.

Tag 1:

Die nette Bäckereiverkäuferin greift schon zu meinem Lieblingsbrot, als ich reinkomme – doch „mein“ Dreisaatbrot mit der leckeren Sesamkruste wird heute wohl ein anderer essen. Denn  in der kleinen Biobäckerei wird bar bezahlt. „Ich kann’s  gerne aufschreiben, und Sie zahlen einfach beim nächsten Mal“, bietet sie netterweise an.  Anschreiben lassen? Das hat mir noch nie jemand angeboten. Ist auch ein wenig peinlich. Und schon am ersten Tag einknicken –  kommt nicht infrage. Bei zwei Filial-Bäckereien: das Gleiche. Also gibt es heute  Supermarktbrot.

Die nächste Ernüchterung folgt  am Mittag: In der Betriebskantine unseres Verlags  wird zwar bargeldlos bezahlt, allerdings mit einer Mitarbeiterkarte, die  aufgeladen werden muss – und das geht nur  mit Bargeld. Also versuche ich  draußen mein Glück. So nah am Niehler Hafen ist das kulinarische Angebot  allerdings überschaubar, vor allem für Menschen, die wenig Fleisch essen. Das erste Lokal ist montags geschlossen. In der Umgebung gibt es ein paar Kioske, eine Döner-Bude und eine Metzgerei mit Mittagstisch. Kartenzahlung?

Kopfschütteln. Drei Tankstellen, zwei Supermärkte, ein Discounter und ein Burger-Brater würden meine  EC-Karte akzeptieren, selbst  für  Kleinstbeträge. Doch 20 Minuten meiner 30-minütigen Mittagspause sind bereits vorbei. Ich habe Hunger und  schnappe mir im Supermarkt  Bananen, einen Wrap für unterwegs und einen Fertigsalat für später.

Abends auf dem Heimweg noch schnell bei der  Filiale einer kleinen Kaufhauskette vorbei, um  Geschenkpapier zu holen. Denkste: „Leider ist bei uns ausnahmsweise keine Kartenzahlung möglich, weil heute der 29. Februar ist.“ Technische Probleme  am Schalttag? Zum Glück gab’s die heute nirgendwo sonst auf meinem Weg.

Tag 2:

Neuer Tag, neues Glück – und diesmal  klappt vieles: getankt, Kühlschrankvorräte aufgefüllt im Supermarkt –  keine Probleme mit der Karte. Mittags ein kleiner Snack, abends gekocht. Ich frage mich aber, was ich machen würde, wenn ich heute in einem Hotel übernachtete: Trinkgeld fürs Zimmermädchen? Ginge nicht.