Franziska Giffey setzt bei der Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsetagen auf eine politische Lösung.
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BerlinDeutsche Führungsetagen bleiben überwiegend Männerrevier. Das ist die ernüchternde Bilanz die Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Frauen- und Familien, nach der Kabinettssitzung am Mittwoch verkünden musste. Gemeinsam mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte Giffey einen Bericht über Frauen in Führungspositionen vorgelegt. Das Ergebnis: In mehr als 80 Prozent der größten deutschen Unternehmen sitzt keine einzige Frau im Vorstand.

Die Zahlen zeigten ein seit Jahren bekanntes Dilemma, sagte Giffey. „Mit Freiwilligkeit kommen wir einfach nicht weiter, ohne politischen Druck bewegt sich gar nichts.“ Wo allerdings eine gesetzliche Quote gelte, gebe es Veränderungen, wie der gestiegene Frauenanteil in Aufsichtsräten beweise.

Fünf Jahre ist es her, dass eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten beschlossen wurde – wohlgemerkt nur in voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen. In Deutschland trifft das derzeit auf etwas mehr als 100 Firmen zu. Inzwischen liegt der Frauenanteil in diesen Unternehmen immerhin bei 35,3 Prozent. Bei Firmen, die nicht unter diese Quote fallen, haben es nur 19,9 Prozent Frauen in die Aufsichtsräte geschafft.

Eine gesetzliche Quote für Vorstände gibt es bislang nicht. Dort betrug der Anteil von Frauen in Führungspositionen im Geschäftsjahr 2017 gerade einmal 7,7 Prozent – ein Anstieg von nur 0,8 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Die SPD will daher das Gesetz erweitern und auf die Unternehmensvorstände ausweiten. Ein entsprechender Entwurf liege auf dem Tisch, sagte Giffey. Demnach soll bei der Besetzung eines Vorstands großer börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern künftig mindestens eine Frau dabei sein – wenn der Vorstand aus mehr als drei Personen besteht.

„Wir können nicht einerseits in der Corona-Krise Frauen für ihre Arbeit in den systemrelevanten sozialen Berufen beklatschen und andererseits sagen: ‚In den Führungsetagen wollen wir euch aber nicht‘“, sagte Giffey am Mittwoch.

Eine aktuelle Studie der gemeinnützigen AllBright-Stiftung zeigt, dass Frauen besonders in Familienunternehmen der Aufstieg in die Chefetage nur schwer gelingt. Der Studie zufolge liegt der Anteil von Frauen in der Geschäftsführung der 100 umsatzstärksten Familienfirmen in Deutschland bei knapp sieben Prozent. Die 160 an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen bringen es der Studie zufolge immerhin auf einen Frauenanteil von zehn Prozent. Zudem ist nur in 29 der 100 größten Familienunternehmen überhaupt eine Frau Mitglied der Geschäftsführung.

Das durchschnittliche Geschäftsführungsmitglied in deutschen Familienunternehmen ist Mitte fünfzig, männlich und westdeutsch sozialisiert. Eine derart homogene Besetzung von Führungspositionen beschränke nicht nur den Blickwinkel der Unternehmen, urteilt die AllBright-Stiftung. Die Firmen gerieten damit auch in die Gefahr, den Anschluss zu verpassen, da die Gesellschaft und das Geschäftsumfeld zunehmend diverser würden: „Vielfältig zusammengesetzte Führungsteams haben eine höhere Innovationskraft und treffen am Ende die besseren und profitableren Entscheidungen“, schreiben die Autoren der Studie.