Bulle und Bär repräsentieren die Börse. Ein Bullenmarkt steht für einen steigenden Kurs, ein Bärenmarkt für einen sinkenden Kurs.
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BerlinIm September hätte die Deutsche Wohnen den Sprung in den Dax fast geschafft und wäre damit zu einem der 30 wertvollsten Unternehmen Deutschlands aufgestiegen. Doch unter anderem die Diskussion um Enteignungen und Mietendeckel machten dem Top-Favoriten auf einen Platz im Dax einen Strich durch die Rechnung. Der Münchner Triebwerkhersteller MTU zog vorbei und setzte sich an die frei werdende Stelle des Absteigers Thyssenkrupp. Damit findet sich im Dax neben Siemens – dessen Konzernzentrale allerdings in München ist und nur seinen Zweitsitz in Berlin hat – kein einziges Unternehmen aus der Hauptstadt.

Die 30 DAX-Unternehmen konzentrieren sich größtenteils auf den Süden und auf den Westen Deutschlands.
Grafik: Sabine Hecher/Berliner Zeitung

Blickt man auf die aktuelle regionale Verteilung der im Dax gelisteten Unternehmen, wird schnell klar: Bayern und Nordrhein-Westfalen haben die Nase vorn, während im Osten ein großes Loch klafft. Das hat, wie so oft, historische Gründe. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Berlins verlegten nahezu alle großen Unternehmen, die vormals in Berlin gegründet worden sind, ihren Sitz in den Westen. Und da sind Deutsche Bank, Allianz und Co. noch heute.

Nur mit Siemens ist ein aus Berlin stammendes Unternehmen im Index enthalten. Und das, seit es den Deutschen Aktienindex Dax gibt. Als er 1988 aufgelegt wurde, war außerdem der Berliner Pharmaspezialist Schering dabei – bis der Konzern im Jahr 2006 von Bayer übernommen wurde. Und das war es dann auch schon mit der Berliner Geschichte in der Top-Börsenliga.

Zalando und die Deutsche Wohnen sind im MDax gelistet - der zweiten Börsenliga

Hauptstadt-Firmen wie Zalando und Deutsche Wohnen finden sich hingegen im MDax und SDax, der zweiten und dritten Liga an der Börse. Und von dort aus aufzusteigen, ist gar nicht so einfach. Die wichtigsten Kriterien, die die Deutsche Börse vorgibt, sind die Höhe der Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien mal Aktienkurs) und der Börsenumsatz. Allerdings muss ein potenzieller Aufsteiger strengere Kriterien erfüllen als ein bestehendes Dax-Mitglied einhalten muss, um im Index bleiben zu können. „Die Deutsche Börse möchte so ständige Wechsel vermeiden“, sagt Uwe Streich, Indexanalyst bei der Landesbank Baden Württemberg (LBBW). Das macht es zugleich aber auch potenziellen Neulingen schwer.

Im MDax sind 2019 vier Berliner Unternehmen gelistet.
Grafik: Sabine Hecher/Berliner Zeitung

Wer es erst einmal geschafft hat, profitiert. „Unternehmen, die im Dax mitspielen, haben nicht nur eine viel größere Liquidität, sie sind natürlich auch im Blickfeld von internationalen Investoren wie auch von Arbeitnehmern“, sagt Andreas von Brevern, Sprecher der Deutschen Börse. Letztlich also auch ein Renommeegewinn, um talentierte Fachkräfte anzuziehen.

Auch im SDax sind im Oktober 2019 vier Berliner Unternehmen gelistet.
Grafik: Sabine Hecher/Berliner Zeitung

Der Sprung in den Dax wird für mittelgroße Berliner Firmen aber noch eine Weile dauern. „Bei den Berliner Unternehmen Zalando, Delivery Hero oder Rocket Internet brauchen wir auf absehbare Zeit gar nicht über einen Wechsel vom MDax in den Dax nachdenken“, ist sich Aktienexperte Streich sicher. Die Börsenwerte seien noch zu klein. Wahrscheinlicher wäre ein erneuter Anlauf der Deutsche Wohnen. „Die Chance besteht weiterhin“, so Streich. Jedes Jahr wird der Dax neu gemischt. Mehr als einen Wechsel gibt es aber in der Regel nicht. „Ob dann die Deutsche Wohnen am Zug ist, lässt sich zurzeit nicht seriös vorhersagen.“ Wahrscheinlicher würde dieser Fall, wenn ein bestehendes Dax-Unternehmen ins Straucheln gerät.

Siemens zumindest sitzt sicher im Sattel. „Siemens ist eines der größten deutschen Unternehmen und wird seinen Platz auch behalten“, so Streich. Außerdem ist mit der Energiesparte Gas and Power ein weiterer Börsengang für 2020 im Gespräch – und damit womöglich ein weiterer Hauptsitz in Berlin.