Berlin - In Deutschland sind Frauen im Berufsleben auf dem Vormarsch und brechen rascher in Männerdomänen ein als in anderen Staaten. Dies stellt die OECD, ein Verbund von wohlhabenden Nationen, anlässlich  des Weltfrauentages an diesem Dienstag fest. In keinem anderen ihrer 34 Mitgliedstaaten stieg die Beschäftigungsrate der Frauen stärker als hierzulande. Dies führt Monika Queisser, Leiterin der OECD-Abteilung Sozialpolitik, überwiegend auf die gute Konjunktur und die exzellente Entwicklung am Arbeitsmarkt zurück. Denn auch der Anteil von Männern mit einem Arbeitsplatz nahm in dieser Phase zu, während in vielen anderen Nationen sich in jüngerer Zeit die Arbeitslosigkeit massiv verschärfte.

Frauen arbeiten weniger

Und damit beginnen die Aber, mit denen die internationale Organisation mit Sitz in Paris ihren Deutschland-Befund versieht. Zwar gibt es mehr Arbeitnehmerinnen. Doch die arbeiten weniger Stunden als ihre Kollegen im Büro oder der Fabrik. „Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit, Tendenz steigend“, sagt Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Viele davon würden gerne ihre Arbeitszeit ausweiten, stießen aber beim Arbeitgeber aber auf taube Ohren. „So bleiben sie, oft ihr gesamtes Berufsleben lang, in der Teilzeit-Falle stecken“, kritisiert Hannack.

Ein Grund für die geringen Arbeitszeiten der Frauen könnte die Ungleichverteilung bei der  Belastung zu Hause sein. Beide Geschlechter arbeiten hier zu Lande laut OECD-Statistiken insgesamt in etwa gleich viel. Doch das eine verbringt mehr Zeit mit unbezahlten Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Saubermachen zu Hause oder der Pflege von Angehörigen. Das andere steht dafür länger der Firma zur Verfügung  und verdient schon allein deswegen mehr. Dieses Muster erkennt die OECD übrigens in all ihren Mitgliedsländern, selbst in Vorzeigenationen wie Norwegen, Schweden oder Dänemark. In der Bundesrepublik ist es leicht unterdurchschnittlich ausgeprägt – stärker als in Skandinavien, Frankreich und den USA,  deutlich geringer als in Italien, der Türkei oder Mexiko.

Völlige Angleichung?

Bei diesem Thema geht es laut Queisser nicht nur um Gerechtigkeit. Deutschland könnte über eine stärkere Erwerbsbeteiligung der Frauen auch wirtschaftlich enorm gewinnen und die Nachteile durch die demograhische Entwicklung zumindest abschwächen. Wenn genauso viele Frauen berufstätig wären wie Männer, schrumpfte das Arbeitskräfteangebot bis zum Jahr 2030 kaum. Es würde sogar steigen, wenn diese Frauen dann auch noch entscheiden würden, genauso lang zu arbeiten wie die männlichen Kollegen. Deutschland könnte so also dem drohenden Arbeitskräftemangel entgegen wirken. Dies allerdings sei eine theoretische Überlegung,  meint Queisser. Die Frage sei, ob die Gesellschaft eine völlige Angleichung wolle. Das Szenario solle nur zeigen, welches wirtschaftliche Potenzial die Förderung von Frauen im Berufsleben habe.

Einkommensdifferenzen bleiben

Immer noch nicht verschwunden sind die Rückstände bei der Bezahlung. Dafür hat die OECD nach den Worten Queissers in zahlreichen Untersuchungen viele Gründe gefunden. Frauen nehmen weniger Führungspositionen ein – laut Statischem Bundesamt stagnierte der Anteil 2014 bei 29 Prozent. Die werden weniger oft befördert und nehmen häufig Stellen an, für die sie überqualifiziert sind. Und sie entscheiden sich für Berufsfelder, die schlechter bezahlt sind. Darin sieht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall einen Hauptgrund für die Einkommensdifferenzen. „Es macht schon einen Unterschied, ob man Verkäuferin oder Industriemechanikerin wird“, erklärt Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Dagegen meint die OECD, dass sich der Abstand nicht komplett durch solche sachlichen Gründe wie Berufswahl und Qualifikation erklären lasse. Es bleibe am Schluss eine Lücke, die nur auf Diskriminierung zurückzuführen sei, so Queisser.