Angel Gurría
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Die Folgen des weltweiten Corona-Lockdowns könnten sich nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu einer Beschäftigungskrise entwickeln, die weitaus schlimmer ist als die Krise von 2008. Laut dem neuen OECD-Beschäftigungsausblick und einer heute veröffentlichten Arbeitslosenstatistik sind Frauen, junge Menschen und Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen am stärksten betroffen.

Der Generalsekretär der OECD, Angel Gurría, sagte am Dienstag auf einer EU-Veranstaltung zur Situation: „Aufbauend auf der schnellen und entscheidenden ersten Reaktion auf die Covid-19-Krise müssen die Staaten jetzt alles tun, um zu verhindern, dass diese Beschäftigungskrise zu einer ausgewachsenen sozialen Krise wird. Die makroökonomische Politik muss während der Krise weiterhin unterstützend wirken, um das Risiko eines anhaltenden Einbruchs und einer verlorenen Generation junger Menschen zu minimieren, deren Arbeitsmarktaussichten dauerhaft beeinträchtigt werden.“ Der Wiederaufbau eines „besseren und widerstandsfähigeren Arbeitsmarktes“ sei eine wesentliche Investition in die Zukunft der nächsten Generationen, sagte Gurría.

Die Corona-Krise wird Experten zufolge bis zum Jahresende für einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern sorgen. Ohne eine zweite Infektionswelle könnte die Arbeitslosigkeit in den Staaten der OECD auf durchschnittlich 9,4 Prozent steigen, wie aus dem am Dienstag präsentierten OECD-Beschäftigungsausblick hervorgeht.

Käme es zu einer zweiten Infektionswelle, rechnen die Experten sogar mit einem Anstieg auf 12,6 Prozent. Ende 2019 lag die Zahl bei durchschnittlich 5,3 Prozent. Aus den Daten gehe zudem hervor, dass die Arbeitslosigkeit Geringqualifizierte, junge Menschen, Migranten und Frauen am stärksten getroffen habe, heißt es in der Studie.

Die EU-Kommission ist ebenfalls pessimistisch und korrigierte ihre Konjunkturprognose für das Jahr 2020 nach unten und geht nun von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung der EU-Länder um 8,3 Prozent aus. Für die Länder der Eurozone wird ein Rückgang um 8,7 Prozent erwartet.

Bereits Anfang Mai hatte die Kommission in ihrer Frühjahrsprognose mitgeteilt, dass sie eine massive Rezession erwarte. Damals war sie allerdings noch von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 7,7 Prozent für die Euroländer und 7,4 Prozent für alle 27 EU-Staaten ausgegangen.

„Da die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie langsamer gelockert werden als in unserer Frühjahrsprognose angenommen, werden die Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit im Jahr 2020 stärker sein als erwartet“, erklärte die Kommission am Dienstag. Für Frankreich, Italien und Spanien erwartet sie nun einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um mehr als zehn Prozent. Für Deutschland bleibt die Vorhersage mit einem Rückgang von 6,3 Prozent nahe an der Frühjahrsprognose. (BLZ, mit dpa und AFP)

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