Online-Shopping boomt. (Symbolbild)
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BerlinIm modernen Verkaufsdeutsch heißen sie Black Friday und Cyber Monday. Der kommende Freitag und folgende Montag gelten hier zu Lande als die konsumstärksten Tage des Jahres. Gekauft wird immer mehr online allen Beteuerungen angeblich umweltbewusster Konsumenten zum Trotz. Zwar geben 27 Prozent aller knapp 1100 Befragten in einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom an, aus Umweltgründen weniger Ware online zu bestellen. Die Handelstatistiken gehen aber in die andere Richtung. Der Anteil des Online-Handels dürfte 2019 ungebrochen von 10,1 auf 10,8 Prozent steigen. Ein Fingerzeig dafür, dass Sagen und Handeln nicht das Selbe sind, ist das ökologisch gesehen heikle Thema von Retouren im Online-Handel.

„Mehr als jede fünfte Internet-Shopperin gibt an, manchmal oder regelmäßig mit Absicht zu bestellen, um Ware wieder zurückzuschicken, etwa wenn es um Kleidung in mehreren Größen geht“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Das sei bemerkenswert, weil vor allem Frauen in der selben Umfrage großes Umweltbewusstsein für sich beanspruchen. Je jünger sie sind, desto mehr Wert legen sie theoretisch auf wenig und umweltfreundliche Verpackung sowie kurze Lieferwege. Zugleich schickt keine Käufergruppe online Bestelltes öfter zurück als Frauen zwischen 16 und 29 Jahren. 16 Prozent sind es gegenüber elf Prozent aller Online-Käufer insgesamt und neun Prozent aller männlichen Internet-Shopper.

Mehr als jede fünfte Internet-Shopperin gibt an, manchmal oder regelmäßig mit Absicht zu bestellen, um Ware wieder zurückzuschicken.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder

Immerhin haben vor einem Jahr noch zwölf Prozent aller Befragten angegeben, online bestellte Ware regelmäßig zurückzuschicken. Den Rückgang um einen Prozentpunkt könne man als gestiegenes Umweltbewusstsein interpretieren, meint Rohleder vorsichtig. Andererseits sei bei über drei Vierteln aller Online-Käufer der Preis das bestimmende Kaufkriterium. Für jeden Zweiten schließe das auch kostenfreie Lieferung sowie Rücksendung ein.

„Wir müssen den Retourenanteil senken“, findet Rohleder schon aus Umweltgründen. Dazu könne der Preis ein Hebel sein. Ein freiwilliger Verzicht von Kunden auf Retouren gegen Rabatt könne für den Handel ein interessantes Modell bieten. In der Umfrage hätten sich auch 37 Prozent aller befragten Online-Käufer bereit erklärt, zur CO2-Kompensation einer Lieferung einen Aufpreis zu bezahlen. Knapp die Hälfte würde auch persönliche Daten als Gegenleistung für Rabatte zur Verfügung zu stellen. Je jünger ein Online-Shopper desto höher ist die Bereitschaft dazu. Vier von fünf Deutschen - also 55 Millionen Bundesbürger - kaufen mittlerweile im Internet ein. Gemessen an denen, die überhaupt ins Netz gehen, sind es sogar 94 Prozent. Jeder Dritte gibt an, minimal einmal wöchentlich online zu kaufen, wobei Kleidung und Schuhe (93 Prozent Nennung), elektronische Haushaltsgeräte (81 Prozent) und Bücher (79 Prozent) online die Topseller sind.

Wir müssen den Retourenanteil senken.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder

Immerhin 71 Prozent der Befragten gibt an, schon einmal Möbel online gekauft zu haben. 14 Prozent haben sogar ein Auto per Internet erworben. Bestellwerkzeug der Wahl wird dabei immer mehr das Smartphone, über das heute mehr als jeder Zweite online ordert. 2014 waren es erst jeder Fünfte. Mehr als jeder fünfte Befragte glaubt mittlerweile, dass es 2030 im stationären Handel keine Kassen und kein Bargeld mehr gibt, auch per virtuellen Sprachassistenten eingekauft wird und virtuelle Realitäten in den Verkaufsalltag einziehen. So können Möbel vor dem Kauf virtuell in die eigenen vier Wände platziert werden oder Bekleidung auf den eingescannten eigenen Körper projiziert. Wenn es so kommt, könne das auch die Retourenquote senken, hofft Rohleder.