Berlin - Die durch die Energiewende stark belasteten Stromkunden in Deutschland können in absehbarer Zeit mit sinkenden Preisen rechnen. Früher als erwartet kommen Erzeuger von erneuerbaren Energien ohne Subventionen aus, die bisher von den Stromkunden über eine Umlage aufgebracht werden. Der Versorger EnBW teilte mit, der Windpark „He Dreiht“ in der Nordsee werde ohne die übliche Förderung errichtet. Der Konzern erhielt zuvor von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für die Anlage mit 900 Megawatt. Das ist nahezu die Leistung eines Atomkraftwerks. Drei weitere Windparks mit 600 Megawatt Leistung werden mit einer Förderung von maximal sechs Cent pro Kilowattstunde gebaut. Dies ist weit weniger als erwartet und liegt noch unter der Förderung für Solaranlagen und Windräder an Land.

Bislang bekommen die Erzeuger für erneuerbaren Strom staatlich festgelegte Förderpreise. Für Offshore-Strom gibt es beispielsweise fast 19 Cent je Kilowattstunde. Neue große Solaranlagen und Windparks werden jedoch seit einer Reform der Ökoförderung durch die große Koalition von der Bundesnetzagentur ausgeschrieben, wobei die Anbieter bei der Höhe der Fördersätzen konkurrieren: Wer die geringste Subvention verlangt, erhält den Zuschlag.

Kostensenkungen möglich

Die niedrigen Beträge überraschten selbst den Chef der Netzagentur, Jochen Homann. Die Offshore-Windenergie stelle ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis, sagte er bei der Bekanntgabe der Ergebnisse. „Dies ist erfreulich für alle Stromverbraucher, die über die Erneuerbare-Energien-Umlage die Förderung mitfinanzieren“, erklärte Homann.

Das Wirtschaftsministerium erklärt das Ergebnis der Ausschreibung mit dem Wettbewerbsdruck in der Industrie. In der Branche wird darauf verwiesen, dass dank der gesammelten Erfahrungen beim Bau von Windparks Kostensenkungen möglich sind. Neben EnBW mit dem größten Windpark erhielten auch drei Parks des dänischen Betreibers Dong den Zuschlag. Die vier Windparks liegen in der Nordsee. Im nächsten Jahr kann noch einmal um die gleiche Menge geboten werden. Dann müssen auch mindestens 500 Megawatt für die Ostsee dabei sein.

Anschluss der Windräder kostet Milliarden

Verbraucherschützer und Teile der Wirtschaft hatten den Ausbau der Offshore-Windparks mit Skepsis gesehen: Die neue Technologie für Windräder in größeren Wassertiefen werde die EEG-Umlage weiter treiben, hatten sie gewarnt. Dies bewahrheitet sich nun nicht.

Derzeit macht die Umlage etwa ein Viertel des Strompreises aus. Sie beträgt knapp sieben Cent pro Kilowattstunde, wodurch ein Durchschnittshaushalt pro Jahr etwa 280 Euro mehr zahlt. Auf eine Senkung der Umlage müssen die Stromkunden aber noch warten, da die Windparks, die jetzt den Zuschlag erhalten haben, erst nach 2021 ans Netz gehen. Bezahlen müssen die Verbraucher zudem weiter den Ausbau der Netze für den Anschluss der Windräder auf hoher See, der Milliarden kostet.