Die Ölpreise sind am Montag kräftig gefallen.
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New York/LondonDer Erdölpreis an der New Yorker Börse ist auf einen nie dagewesenen Tiefpreis von einem Cent pro Barrel abgestürzt. Die US-Referenzsorte WTI zur Lieferung im Mai hatte damit am Montag praktisch keinen Wert mehr. 

Der nachfolgende Terminkontrakt auf amerikanisches Leichtöl (WTI) kostete am Montagabend wesentlich mehr als der Mai-Kontrakt. Ein Barrel texanisches Leichtöl (WTI) zur Lieferung im Juni notierte am Abend bei 22,30 Dollar. Die Nordseesorte Brent kostete je Barrel 26,50 Dollar. Beide Preise lagen allerdings auch klar in der Verlustzone.

Dem jüngsten Jahresbericht zufolge kann die strategische US-Ölreserve rund 700 Millionen Barrel Rohöl fassen. Der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der amerikanischen Ölsorte WTI zur Lieferung im Mai war an der Börse in New York am Montag auf unter Null gesunken. Das bedeutet, Käufer werden bei der Abnahme des Öls Geld erhalten. Das Absacken des Preises zog auch den Aktienmarkt ins Minus.

Analysten begründen den Einbruch mit dem starken Einbruch der Erdölnachfrage infolge der Corona-Krise als auch mit Zweifeln an der Reaktion großer Ölproduzenten auf die Krise. Als Folge der globalen Ölschwemme drohen zudem knappe Lagerkapazitäten.

Allerdings untermauert der Preisverfall des WTI-Mai-Kontrakts auch die grundlegende Lage am Erdölmarkt. Diese ist gekennzeichnet durch ein viel zu hohes Angebot bei stark fallender Nachfrage. Die Corona-Krise sorgt für einen globalen Konjunktureinbruch, was eine rückläufige Öl-, Benzin- und Dieselnachfrage bewirkt.

Die US-Regierung will den extrem niedrigen Ölpreis nutzen, um ihre strategischen Reserven aufzufüllen. Es sei geplant, bis zu 75 Millionen Fässer Rohöl zu kaufen, sagte US-Präsident Donald Trump am Montagabend (Ortszeit) im Weißen Haus. Er werde den Kongress um die nötigen Mittel bitten, damit sich die Regierung den «Niedrigpreis-Rekord» am Ölmarkt zunutze machen könne, sagte er. «Es ist eine tolle Zeit, Öl zu kaufen», sagte der Präsident.

Auslöser der extrem ungewöhnlichen Lage ist, dass vor allem in den USA immer noch viel Öl gefördert wird, es zugleich aber wegen des Wirtschaftsstillstandes kaum mehr Abnehmer findet. Aufgrund der Corona-Krise wird deutlich weniger Benzin verbraucht. Weil es nur noch wenig Flüge gibt, ist auch die Kerosin-Nachfrage eingebrochen.

Trump zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass der Ölpreis schon bald wieder bei etwa 25 bis 28 US-Dollar (etwa 23 bis 26 Euro) pro Barrel stehen würde. Das Abrutschen in den negativen Bereich sei vor allem ein Effekt von Transaktionen am Finanzmarkt, sagte Trump.

Am Dienstag läuft der Future-Kontrakt auf WTI-Öl für den Monat Mai aus, weswegen offenbar viele Händler, die diese Finanz-Instrumente am Markt nur spekulativ handeln, sie sogar mit Verlusten verkauften. Sonst hätte ihnen die tatsächliche Lieferung des Öls gedroht.

Die USA waren der US-Energieagentur (EIA) zufolge zuletzt sogar vor Saudi-Arabien der größte Ölproduzent. Den Boom verdanken die USA vor allem der relativ teuren Produktionsmethode des