Olaf Scholz unter Druck: Kann dieser Mann den Kanzler retten?

Olaf Scholz ist wegen seiner China-Politik unter Druck. Sein treuester Weggefährte muss für ihn kämpfen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (links) und Bundeskanzleramtschef Wolfgang Schmidt. 
Bundeskanzler Olaf Scholz (links) und Bundeskanzleramtschef Wolfgang Schmidt. dpa/Bernd von Jutrczenka

Wolfgang Schmidt hat eigentlich sein ganzes politisches Leben in den Dienst von Olaf Scholz gestellt. Der heutige Kanzleramtsminister war sein Assistent in Hamburg, verzichtete zugunsten der Arbeit für Scholz auf die Fertigstellung seiner Promotion. Schmidt und Scholz haben sich vor 20 Jahren kennengelernt, weiß die Zeit, „als der Juso-Vorständler Wolfgang bei einer Party in der WG von Olaf, dem SPD-Kreisvorsitzenden von Altona, auftauchte“.

Schmidt blieb bei Scholz und seither räumt der 52-Jährige für seinen Meister alle Gegner ab. Beobachter vergleichen seine Gangart mit den Auftritten des passionierten Fußballspielers, nämlich als „rustikal“. So verteidigte Schmidt den damaligen Finanzminister Scholz im Wirecard-Untersuchungsausschuss mit größter Ausdauer. Trotz der Brisanz dozierte Schmidt vor den am Ende völlig ermatteten Abgeordneten über China und die deutsche Wirtschaft: Jedes Unternehmen wolle nach China, an der Verwendung einer E-Mail eines Lobbyisten aus dem Reich des Karl-Theodor zu Guttenberg sei nicht Unsittliches gewesen, es sei die Aufgabe der Bundesregierung, der Wirtschaft auf politischer Ebene zu helfen. Im Cum-Ex-Skandal trat Schmidt als Zeuge für Scholz im Hamburger Untersuchungsausschuss auf. Er konnte zwar nichts zur Aufklärung beitragen, weil er in der fraglichen Zeit nichts mit Steuerangelegenheiten zu tun hatte, aber die Verteidigung seines Chefs war für ihn eine Ehrensache.

Dieser Tage könnte Schmidt vor seiner größten Bewährungsprobe in Sachen Flankenschutz für Scholz stehen. Es geht wieder um China. Wegen der Hafen-Erlaubnis für Cosco bläst Scholz der Wind von allen Seiten ins Gesicht. Seine Koalitionspartner begehren auf, die New York Times schreibt, Scholz bringe durch sein Zögern bei weiteren Waffenexporten die anderen EU-Staaten gegen Deutschland auf. Die Bild-Zeitung nennt den Kanzler einen Knecht Chinas, in einzelnen Medien wird unauffällig darüber sinniert, wie schwierig es doch für die Brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst sein müsse, sich stets als Frau von Olaf Scholz rechtfertigen zu müssen.

Vor der anstehende Reise nach China im November muss Wolfgang Schmidt, der nächtens gerne als Akkordtipper bei Twitter tätig ist, nun die Wogen im Inland und bei den EU-Freunden glätten. Der Besuch bei Emmanuel Macron am Mittwoch war ein Anfang – und er ging ohne Eklat über die Bühne. Gut möglich, dass Schmidt sein Hobby eine große Gelassenheit für all die Widrigkeiten gibt. Wenn er nicht für Scholz kämpft, widmet er sich der Hochseefischerei.