Unter den rund 700 Mitarbeitern in der Home24-Zentrale in der Greifswalder Straße dürfte die Botschaft einige Erleichterung ausgelöst haben. Dem nach eigenen Angaben größten, aber nach wie vor defizitären Online-Möbelhaus Europas gelang es, bei Investoren insgesamt 20 Millionen Euro einzusammeln. Soweit die gute Nachricht.

Die weniger gute: In der Finanzierungsrunde, an der auch Rocket Internet und der schwedische Risikokapitalgeber Kinnevik beteiligt waren, wurde Home24 nur noch mit 420 Millionen Euro bewertet. Im Frühjahr, als ebenfalls 20 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen flossen, hatten die Investoren das Möbelkaufhaus noch auf 981 Millionen Euro taxiert.

Gedämpftes Wachstum

Philipp Kreibohm, Gründer und Vorstand von Home24, wirkt am Telefon von der Abwertung völlig unbeeindruckt. Eine solche Bewertung sei immer eine Momentaufnahme, sagt er. Auch andere E-Commerce-Unternehmen seien in der Vergangenheit niedriger bewertet worden. „Diesem Marktvergleich sind wir natürlich ausgesetzt“, so Kreibohm. „Aber die Bewertung spielt im täglichen Geschäft keine Rolle.“ Also alles kein Problem?

Tatsächlich wächst Home24 nicht mehr so stark. Hatte der Umsatz im vergangenen Jahr noch um rund 46 Prozent auf 234 Millionen Euro zugelegt, so betrug die Steigerung im ersten Quartal dieses Jahres nur noch knapp sieben Prozent. „Wir nehmen für eine gewisse Zeit den Fuß vom Gas“, sagt der Home24-Chef, der erst zu Jahresbeginn überraschend auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Home24 gerückt war. Nachdem sein Vorgänger vor allem auf Wachstum setzte („Wir wachsen nicht, wir explodieren!“), soll Kreibohm das Unternehmen aus den roten Zahlen führen. Und immerhin konnte im ersten Quartal dieses Jahres der Verlust gegenüber dem Vorjahresquartal tatsächlich um mehr als sieben Millionen Euro reduziert werden. „Brutales Wachstum steht nicht mehr im Vordergrund.“

Investition in Technologie und Logistik

Mit dem frische Kapital will der Chef diesen Kurs fortsetzen. Insbesondere in die Technologieplattform und in die Logistik soll investiert werden. Dennoch legt sich Kreibohm nicht fest, wann die Gewinnzone erreicht sein soll. „Es wird passieren“, sagt er und glaubt weiterhin fest an das Möbelgeschäft per Internet. Mittlerweile hat Home24 rund eine Million aktive Nutzer, Kunden, die in den letzten zwölf Monaten dort gekauft haben.

Während übrigens Möbelhändler Kreibohm recht unbeeindruckt auf den Wertverlust seines Unternehmens blickt, waren die Aktionäre von Rocket Internet am Donnerstag ziemlich nervös. Der Kurs der Rocket-Aktien gab jedenfalls zeitweise um mehr als sechs Prozent nach.