Kristine Zeller und Kati Ernst haben ein Start-up gegründet, mit dem sie Tampons und Binden überflüssig machen wollen.
Foto: Ooshi

BerlinKati Ernst und Kristine Zeller haben ihre Jobs an den Nagel gehängt, um Schlüpfer zu produzieren. Bei ihrem Start-up mit dem Namen Ooshi geht es den beiden Berlinerinnen aber nicht etwa um Reizwäsche oder um ganz gewöhnliche Unterhosen. Ihre Periodenhöschen stellen eine Alternative zu Tampons und Binden dar, und sie sollen vor allem auch nachhaltig sein.

Früher arbeiteten die beiden Frauen in Führungspositionen großer Unternehmen. Kati Ernst war bei der Unternehmensberatung McKinsey und beriet Mode- und Luxusunternehmen, Kristine Zeller verantwortete bei Zalando das Unterwäschesegment. Vor gut einem Jahr schmissen sie ihre Jobs, und starteten ihren Online-Shop für Unterwäsche, die Frauen während der Periode tragen. Diese Höschen können die Periode aufnehmen, gewaschen und dann wiederverwendet werden. Mehr als 40 000 Stück haben sie seither verkauft. „Wie schnell die Firma gewachsen ist, ist unglaublich. Damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Kristine Zeller.

Von diesem Dienstag an dürfte die Bekanntheit von Ooshi noch weiter steigen: Die Berlinerinnen sind zu Gast in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“, in der Gründer prominenten Investoren ihre Geschäftsideen vorstellen. Als Kandidatinnen der letzten Sendung der Staffel hoffen sie auf die Unterstützung eines Investors, der ihnen helfen kann, auch auf dem internationalen Markt Fuß zu fassen.

Oohshi geht mit der Zeit

Für die Gründerinnen ist der Auftritt bei der Sendung in jedem Fall ein Gewinn. „Es ist das erste Periodenprodukt, dass so prominent in einer Mainstream-Sendung vorgestellt wird“, freut sich Kati Ernst. Denn Ziel der Freundinnen ist es auch mit ihrem Produkt das Thema Menstruation zu enttabuisieren. „Wir werden dazu erzogen das Thema wegzutun,  selbst wenn es um die eigene Periode geht“, sagt Kati Ernst.  

Mit ihrer Geschäftsidee treffen sie den Zeitgeist, denn immer mehr Frauen setzen sich mit ihrer Periode auseinander. Autorinnen wie Eva Wünsch („Ebbe und Blut“) oder Luisa Stömer („Tage-Buch“) schreiben über den weiblichen Zyklus und werden prominent in Buchläden präsentiert. „Es gibt einen neuen Anspruch von Frauen, ihren Körper ganzheitlich zu verstehen und bewusste Entscheidungen für sich zu treffen“, sagt Kristine Zeller.

Das führt auch dazu, dass Frauen bisherige Standards in Frage stellen. Dazu zählt auch die Besteuerung von Damenhygiene-Produkten mit 19 Prozent Mehrwertsteuer. Mit einer Petition wurde der sogenannten Pink-Tax der Kampf angesagt. In der vergangenen Woche beschloss die Bundesregierung mit einer Senkung von Tampons und Binden auf den verminderten Steuersatz von 7 Prozent.

Periodenhöschen sind eine nachhaltige Alternative im Kampf gegen Müll

Und auch der Markt reagiert auf diese Bewegung und den Trend zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Immer öfter findet man Bio-Tampons und Binden aus nachwachsenden Rohstoffen in Drogeriemärkten. Durchschnittlich 15 000 Tampons verbraucht eine Frau übrigens durchschnittlich in ihrem Leben, 45 Milliarden Binden und Tampons landen weltweit im Müll – pro Jahr. Viele suchen daher nach anderen Möglichkeiten mit ihrer monatlichen Blutung umzugehen. Und da kommt die Periodenunterwäsche ins Spiel.

Für ihre Produkte verwenden die Gründerinnen   gesundheitlich unbedenkliche Materialien. Das war von Beginn an die Idee, „und so sind wir auf Merinowolle gekommen“, sagt Kristine Zeller. Entwickelt wurde auch ein Membransystem, das zudem mit einem bakterienhemmenden Wirkstoff auf Silber- und Zinkbasis ausgestattet ist. Der soll circa zwei Jahre wirksam sein. 

Ob das die Investoren in „Die Höhle der Löwen“ überzeugen wird, kann man am Dienstag um 20.15 Uhr auf Vox verfolgen.