Die Spritpreise rutschen weiter in den Keller. Auf Grund der Corona-Krise sinkt der Verbrauch in der Wirtschaft und im Verkehrssektor ständig. 
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WienDas Ölkartell Opec und seine Kooperationspartner haben angesichts der Corona-Krise über drastische Förderkürzungen für die kommenden Monate beraten. Wie die dpa berichtet, steht dem Vernehmen nach eine Kürzung um zehn Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag im Raum - das entspricht rund zehn Prozent der weltweiten täglichen Rohölproduktion. Unklar ist, ob die 23 Staaten ihre Verhandlungsergebnisse an eine Unterstützung der USA knüpfen werden. Am Abend stand eine offizielle Mitteilung über die Verhandlungsergebnisse noch aus.

Die drastische Kürzung erschien zuletzt unumgänglich, weil sowohl die Corona-Krise als auch ein Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland den Ölpreis seit Wochen schwer belasten. Opec-Generalsekretär Mohammed Barkindo erklärte in seiner Eröffnungsrede, dass die Organisation für das Jahr 2020 von einem Nachfrage-Rückgang beim Rohöl um 6,8 Millionen Barrel pro Tag ausgehe. Im zweiten Quartal dürfte der Rückgang laut Barkindo sogar rund zwölf Millionen Barrel betragen. „Das sind atemberaubende Zahlen. Beispiellos in der Neuzeit“, so Barkindo.

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent lag am 19. Februar noch bei fast 60 US-Dollar - am 1. April kostete das Fass dann bloß noch rund 25 Dollar. Am Donnerstag kletterte der Brent-Preis zeitweise wieder auf rund 33 Dollar. Experten gingen aber davon aus, dass dieses Plus ohne eine klare Reaktion der großen Öl-Nationen schon bald wieder verloren gehen könnte.

Keine gemeinsame Strategie

Wichtig ist dabei die Frage, von welchem Ausgangsniveau aus die Opec+-Länder die Produktion kürzen wollen. Denn im Rahmen ihres Preiskrieges haben Saudi-Arabien und Russland ihre Förderung Anfang April deutlich angehoben.

Beim Opec+-Treffen Anfang März hatten sich Saudi-Arabien und Russland nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen können. Seit Jahren versucht die Opec+, mit Förderlimits den Ölpreis zu stabilisieren - durch das Fehlen eines neuen Deals liefen diese Beschränkungen aber Ende März aus. Der sich deutlich abzeichnenden Corona-Krise zum Trotz fuhren die Streithähne ihre Produktion hoch - und trieben den Ölpreis rasant in den Keller.

Um mit Produktionskürzungen nun den Preis wieder heben zu können, dürften sich die 23 Opec+-Staaten auf die Suche nach Partnern begeben. Kanada und Norwegen deuteten zuletzt schon Interesse an einer Zusammenarbeit an. Auch die Organisation der afrikanischen Öl-Staaten (APPO) stellte sich am Donnerstag demonstrativ hinter die Opec+ - noch bevor deren Verhandlungsergebnisse öffentlich wurden.

Am Freitag soll eine Telefonkonferenz der G20-Energieminister stattfinden, auf der die Zukunft des Ölmarkts ebenfalls eine Rolle spielen dürfte. Entscheidend ist aber die Reaktion der USA. Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch hielt es vor Beginn der Opec+-Sitzung für möglich, dass das Kartell ohne die Hilfe der US-Amerikaner komplett auf die Produktionskürzung verzichtet. „Dann dürfte es für den Ölpreis wirklich ernst werden.“

Eine Kürzung der Rohölproduktion um zehn Millionen Barrel am Tag entspräche etwa zehn Prozent der gesamten, weltweiten Produktion vor der Corona-Krise. Der Anteil der 13 Opec-Staaten am globalen Ölmarkt betrug zuletzt etwas weniger als 30 Prozent, gemeinsam mit den zehn Kooperationspartnern („Opec+“) sind es rund 45 Prozent.