Opel-Werke: Opel baut keine Autos mehr in Bochum

Lange haben die Manager der Opel-Mutter General Motors herumgedruckst – in Sachen Werk Bochum. Jetzt steht es vor dem endgültigen Aus. Im Opel-Werk in Bochum läuft die Fahrzeugproduktion 2016 aus. Das Werk solle allerdings erhalten bleiben, teilte Opel auf einer Betriebsversammlung mit. Demnach ist geplant, das Warenverteilzentrum zu erhalten und möglicherweise eine Komponentenfertigung einzurichten. Wie viele der 3000 Stellen in Bochum durch das Aus für die Fahrzeugproduktion wegfallen, sagte Opel-Chef Thomas Sedran in einer Stellungnahme nicht. Fragen wurden nicht zugelassen.

Die Mitarbeiter des traditionsreichen Werks im Ruhrgebiet waren am Morgen zu einer Betriebsversammlung zusammengekommen, in der es um die Zukunftspläne des Mutterkonzerns General Motors für den Standort ging. Das Werk ist seit Jahren von Schließung bedroht.

Ursprünglich wollte kein Vertreter des Opel-Vorstandes daran teilnehmen. Laut Rainer Einenkel, Chef des Bochumer Betriebsrats, soll nun mindestens ein Mitglied der Führungsriege kommen. Wer es sein wird, war am Sonntag noch nicht klar. Der Autobauer wird derzeit von dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Thomas Sedran geführt.

Einenkel will auf der Betriebsversammlung eine klare Ansage der Geschäftsleitung hören. Alles spricht dafür, dass dann bestätigt wird, was das Management schon mehrfach allerdings unter Vorbehalt angekündigt hat: Dass nach 2016 keine Autos mehr in den Fabrikhallen im Ruhrgebiet gebaut werden. Das bedeute automatisch die Schließung des gesamten Bochumer Standorts als Fahrzeugwerk, sagte Einenkel am Wochenende. Und er fügte hinzu, dass die Lage noch nie „so ernst und bedrohlich“ war.

Produktion massiv herunter gefahren

Das Unternehmen wollte am Wochenende die Meldungen nicht kommentieren. Wenn es Neuigkeiten gebe, werde zuerst die Belegschaft informiert, sagte ein Sprecher. Auch von Wolfgang Schäfer-Klug, Chef des Opel-Gesamtbetriebsrats, gab es keine Stellungnahme. Er hatte in den vergangenen Wochen mehrfach vehement vom GM-Management den Verzicht auf Werkschließungen in Europa gefordert.

In der Produktionsstätte im Ruhrgebiet wurde einst das Erfolgsmodell Kadett gefertigt. Doch schon vor Jahren wurde die Produktion massiv herunter gefahren. Derzeit wird dort vor allem der Familien-Van Zafira gebaut. Ende 2016 soll die Produktion dieses Modells ersatzlos auslaufen. Schon zum Jahreswechsel 2013/2014 will GM in Bochum die Fertigung von Getrieben, die für verschiedene Opel-Modelle bestimmt sind, einstellen.

Der US-Konzern will seine europäische Tochter, zu der auch die britische Marke Vauxhall gehört, umbauen und damit Kapazitäten reduzieren. Der Kompaktklassewagen Astra etwa soll nur noch in Polen und Großbritannien gebaut werden. Die gesamte Branche leidet unter einer Absatzkrise. Experten schätzen, dass es bis zu einem Dutzend Werke zu viel in Europa gibt. Opel leidet besonders stark unter der Flaute.

Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über ein Zukunftskonzept für den Autobauer wurden Anfang November vereinbart. Einen Monat später beschwerte sich der Bochumer Betriebsrat darüber, dass das Management diese Gespräche verweigere und dass zugesagte Termine einseitig abgesagt würden. (mit dapd)