An der Protestaktion am Osram-Standort am Nonnendamm nahmen rund 300 Beschäftigte teil.
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Berlin - SpandauMehrere Hundert Osram-Mitarbeiter haben am Montag vor dem Spandauer Standort des Beleuchtungsherstellers gegen Stellenabbau protestiert. Die Gewerkschaft IG Metall forderte dabei langfristige Investitionen in die deutschen Standorte und die Zurücknahme der Entscheidung für Verlagerungen ins Ausland.

Nach Angaben der Gewerkschaft will Osram 800 seiner 5600 deutschen Arbeitsplätze abbauen, davon 100 in Berlin, wo außerdem bereits weitere Stellen bedroht seien. Eine offizielle Bestätigung des Vorstands für die Zahlen gibt es allerdings bisher nicht.

300 Berliner Osram-Beschäftigte protestieren

An der Protestaktion „Fünf nach zwölf“ am Osram-Standort am Nonnendamm nahmen nach Angaben der IG-Metall rund 300 Beschäftigte teil. Auf Schildern forderten sie „Licht an statt aus!“ oder „Wir sind Osram und wollen Osram bleiben“. Andere Mitarbeiter des mehr als 110 Jahre alten Traditionsunternehmens erklärten: „Wir wollen mit Osram in die Zukunft“.

Regine Katerndahl, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, forderte außerdem mehr Zeit für die Entwicklung neuer Produkte. Demonstriert wurde auch vor der Münchner Konzernzentrale.  

Stellenkürzungen an allen deutschen Standorten

„Fünf nach zwölf bedeutet nicht, dass es das Ende ist“, rief Klaus Abel dort ins Mikrophon. Abel ist der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für Osram und Aufsichtsratsvize des Lichttechnikkonzerns. Pfiffe aus hunderten Trillerpfeifen und Sprechchöre wie „Berlien raus“ begleiteten Abels Rede. Für Osram-Chef Olaf Berlien ist das nicht gerade schmeichelhaft. Die rund 600 Protestierenden aus allen deutschen Osram-Standorten fühlen sich von ihrem Boss verraten.

Nach anfänglichem Widerstand befürwortet er nun nicht nur eine Übernahme durch den österreichischen Sensorhersteller AMS. Berlien will bei Osram zudem 800 Stellen streichen. Er sagt auch, dass die unbestreitbaren Probleme, die Osram aktuell hat, mit einer Übernahme durch AMS nicht besser, sondern schlimmer würden. Deshalb wollen Betriebsräte nun nicht nur einen erneuten Kahlschlag im Personal, sondern auch eine Übernahme durch AMS mit aller Macht verhindern.  

Osram-Vorstand widerspricht

Wenn es stimmt, was Betriebsräte erfahren haben, soll es die Standorte München, Herbrechtingen und Berlin am härtesten treffen. Demnach will Osram in der Münchner Zentrale 270 und im baden-württembergischen Herbrechtingen 260 Jobs streichen. Zudem würden in Herbrechtingen 55 befristete Stellen nicht verlängert, sagt ein dortiger Betriebsrat. In Berlin könnten nach Betriebsrats-Informationen sogar bis zu 200 Jobs auf der Streichliste stehen. 

Drinnen in der Konzernzentrale widersprach Osram-Vorstand Stefan Kampmann. Es gebe noch keine fixen Abbauzahlen oder Schließungsbeschlüsse für Standorte, Standortgarantien allerdings auch nicht. IG Metall und Betriebsräte würden lediglich Kostensparziele auf Stellen hochrechnen. Es gibt noch Verhandlungsmasse, soll das heißen.

IG-Metall: Sorge vor Milliardenschulden

Weniger flexibel gibt sich der Technik-Vorstand beim zweiten Grund für den Protesttag bei Osram. Das ist die geplante Übernahme durch den Sensorhersteller AMS aus Premstetten bei Graz. Die sei strategisch richtig und seriös finanziert.

Die Industriegewerkschaft IG Metall und die Osram-Betriebsräten halten die Übernahme für den falschen Schritt: Sie würde alles schlimmer machen, weil ein Kauf auf Pump finanziert wäre und Milliardenschulden hinterlassen würde. Der AMS-Plan, die rasch wieder abzubauen, baue auf optimistischen Annahmen zur Steigerung der Profitabilität und das in kriselnden Abnehmermärkten, kritisiert Aufsichtsratsvize Abel. Nicht nur ihm ist beim Gedanken daran mulmig. (mit dpa)