Warum ist der Wettbewerb bei den Paketzustellern so hart?

Es gibt insgesamt fünf große Zustelldienste. Branchenführer ist die Deutsche Post DHL. Hinzu kommen UPS, GLS, DPD  und Hermes. Der Prozess des Auslieferns der Pakete ist bei allen Unternehmen weitgehend gleichförmig. Hie kann kein Anbieter große Vorteile erreichen. Wichtigster Faktor bei den Aufwendungen sind die Personalkosten und damit einhergehend die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten der Beschäftigten. Zugleich handelt es sich um eine rasch wachsende Branche, denn der Internethandel in Deutschland expandiert stark. Der vom Boom profitieren will, muss billig sein. UPS will deshalb hierzulande massiv investieren, um vor allem DHL Marktanteile wegzuschnappen.   

Wie wirkt sich das bei den Beschäftigten aus?

Massiver Arbeitsdruck, unbezahlte Überstunden und extrem niedrige Löhne sind das Ergebnis. Die Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten wurde durch eine Undercover-Reportage von Günter Wallraff losgetreten, der von „sklavenähnlichen“ Arbeitsbedingungen gesprochen hat. Inzwischen hat sich in der Branche eine Zwei-Klassengesellschaft entwickelt. Viele große Paketdienste haben Tarifverträge, die halbwegs akzeptable Konditionen bieten. Allerdings hat Postchef Frank Appel gerade angekündigt, dass neu Eingestellte künftig mit niedrigeren Löhnen rechnen müssen. DHL- Bedienstete verdienten bislang teilweise doppelt so viel wie die Mitarbeiter der Rivalen.   Zugleich lagern die Konzerne einen großen Teil ihrer Aufträge aus. Daraus entsteht ein System von Sub-Sub-Unternehmen. Am Ende der Kette stehen Zusteller, die als Selbstständige arbeiten und mit Privatwagen die Pakete ausfahren. Als Lohn bleiben dann nach Recherchen des WDR  nicht selten gerade einmal 1000 Euro brutto im Monat übrig. Diese „Selbstständigen“ müssen dann ihren Verdienst mit Hartz IV aufstocken, um über die Runden zu kommen.

Wie lassen sich die Arbeitsbedingungen verbessern?

Die beschlossene Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes ist ein wichtiger Schritt – der allerdings nicht bei den (Schein)-Selbstständigen Paketzustellern greift.  Daneben haben Paketdienste und ihre großen Auftraggeber, also Amazon, Zalando und Co., vor einigen Monaten einen Ehrenkodex verabschiedet. Sein Inhalt: Die Arbeitsbedingungen sollen verbessert werden. Aus Sicht von Guntram Schneider (SPD), Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen, ist aber dennoch keine Besserung eingetreten. Er hat 22 Verteilzentren in NRW kontrollieren lassen, um festzustellen, wie die Arbeitsbedingungen tatsächlich sind.

Was war das Ergebnis der Kontrollen?

Laut Schneider werden „elementare Bedingungen“ beim  Arbeitsschutz nicht eingehalten. Auch sieht er massive Verstöße gegen den Verkehrsschutz. Schneider will nun härtere Regeln insbesondere  über Lenk- und Ruhezeiten bundesweit durchsetzen.

Werden damit die Probleme für die Beschäftigten gelöst?

Bestenfalls zum Teil. Härtere Regeln, können sicher helfen, die Unternehmen stärker zu disziplinieren. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich schon jetzt viele Firmen und ihre Subunternehmen nicht an die schon bestehenden Regeln halten. Das heißt: Zu schärferen Bestimmungen müssen auch mehr Kontrollen kommen, und zwar bundesweit. Die Frage ist, ob die Behörden dafür über ausreichend Personal verfügen.