München/Berlin - Nun kommt es doch schlimmer, als zuletzt erwartet. Der Technologieriese Siemens streicht im Zuge seines Konzernumbaus weltweit weitere 7800 seiner zuletzt noch 343.000 Stellen, ließ Vorstandschef Joe Kaeser nun mitteilen. Am Donnerstag war intern noch von 7400 bedrohten Arbeitsplätzen die Rede.

Hinzu kommt die bereits beschlossene Streichung von 1 200 Stellen in der Energiesparte, wodurch sich der Personalabbau auf 9000 summiert. Auf Deutschland entfallen 3300 Stellen. Welche Standorte gestrichen werden, will Siemens aber öffentlich nicht sagen. Darüber werde nun mit Betriebsräten und IG Metall verhandelt.

Keine Kündigungen

„Wir wollen nach sozialverträglichen Lösungen suchen“, sagte die neue Siemens-Personalchefin Janina Kugel. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Abgebaut werden können die 3300 Stellen in Deutschland damit nur per Teilzeitregelungen, über Abfindungen oder ähnliche Instrumente.

Die IG Metall sieht in Deutschland vor allem bayerische Standorte betroffen. Denn die Rotstiftpläne sind Folge einer von Kaeser im Mai 2014 verfügten Organisationsreform von Siemens, die gezielt die Verwaltung verschlankt und ganze Organisationsebenen aus dem Konzern nimmt.

Da die Verwaltung vor allem in München und Erlangen angesiedelt ist, trifft es die beiden Siemens-Standorte am heftigsten. Das verdeutlichen interne Planzahlen für den Abbau. Denen zufolge sollen in Erlangen 900 und in München 500 Stellen wegfallen. Mit 300 Stellen in Nürnberg ist noch ein weiterer bayerischer Standort betroffen.

Regional soll noch in Nordrhein-Westfalen mit landesweit 300 Stellen eine größere Zahl von Arbeitsplätzen gestrichen werden. Das verteilt sich dort auf mehrere Standorte. In den Abbauzahlen für Deutschland sind zudem Verlagerungen ins Ausland enthalten. So sollen weitere Teile der Buchhaltung nach Tschechien gehen, Teile der IT nach Indien und 80 Augsburger Stellen nach Großbritannien verlegt werden.

„Es werden harte Verhandlungen“, kündigt Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn an. Seit Jahren jage ein Abbauprogramm das nächste. „Personalabbau ist keine alternativlose Lösung“, kritisiert sie. In den Verhandlungen mit Kugel will die oberste Arbeitnehmervertreterin eine Reduzierung der Streichpläne durchsetzen.

Im Energiebereich befürchtet das Personal eine weitere Verschärfung der Abbaupläne und Verlagerungen von Deutschland in die USA, von wo aus die Energietechnik künftig gemanagt wird.