Medikamente mit einem riesigen Umsatzvolumen werden in der Pharmabranche gern mit dem Beinamen Blockbuster geschmückt. Wer ein solches Medikament sein Eigen nennen darf, kann sich glücklich schätzen. Denn Präparate wie Betaferon von Bayer oder Viagra von Pfizer stehen für Einnahmen in Milliardenhöhe. Allein das Multiple-Sklerose-Mittel Copaxone vom israelischen Hersteller Teva, der Nummer zehn auf dem weltweiten Pharmamarkt, ist für rund 50 Prozent des Konzerngewinns verantwortlich. Das Problem: Solange die Medikamente patentiert sind, können die Firmen sorgenlos kassieren. Das Patent des Teva-Blockbusters Copaxone jedoch verliert spätestens 2015 seinen Patentschutz in dem wichtigen US-amerikanischen Markt. Noch schlimmer: Nachdem ein US-Gericht mehrere Patente außer Kraft setzen ließ, muss Teva schon im nächsten Jahr mit ersten billigen Nachahmer-Präparaten und entsprechenden Gewinneinbrüchen rechnen.

Nicht zuletzt deshalb hat das Mutterunternehmen des Ulmer Arzneimittelherstellers Ratiopharm nun die Reißleine gezogen: Bis Ende 2014 will Teva – wie berichtet– weltweit 5000 Stellen streichen. Das ist jeder zehnte Arbeitsplatz im Konzern. Mit Hilfe des Sparprogramms sollen die Kosten um eine Milliarde Dollar (rund 740 Millionen Euro) sinken, bis 2017 um zwei Milliarden Dollar.

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Wie viele der 3200 Teva-Stellen in Deutschland durch die Pläne gefährdet sind, steht noch nicht fest. Es gebe noch keine Entscheidung über den Abbau in den einzelnen Geschäftsbereichen, hieß es am Freitag bei Teva Deutschland. Pharmaexperten halten es für ausgeschlossen, dass eine noch relativ junge Konzerntochter wie Ratiopharm ungeschoren davon kommen könnte. Die Israelis hatten Ratiopharm 2010 für 3,6 Milliarden Euro von der Unternehmerfamilie Merckle gekauft. Für die deutsche Tochter spricht aber, dass sie vor allem Nachahmerpräparate herstellt, sogenannte Generika. Dieses Geschäft steuert heute rund die Hälfte des Teva-Umsatzes bei. Die Kosteneinsparungen sollen unter anderem in den Ausbau des Generika-Geschäfts fließen. Doch auch die Generikabranche befindet sich in einem harten Konkurrenzkampf. Der schlägt sich in Tevas Umsätzen nieder. Das Geschäft war zuletzt um fast acht Prozent zurückgegangen.

Mit der Ankündigung steht Teva nicht allein da, die ganze Branche schwächelt. In der Vorwoche hatte der US-Pharmariese Merck & Co angekündigt, weltweit 8500 Jobs abzubauen. Auch andere Arzneimittelhersteller wie Pfizer, AstraZeneca und Sanofi hatten in den vergangenen Jahren massiv Stellen gestrichen. Einer der Gründe: Bei vielen Blockbustern liefen die Patente aus. Allein 2012 verloren die Konzerne Patente für Präparate, die einen Umsatz von 25 Milliarden Euro einspielten. Zudem stockt der Nachschub an neuen Medikamenten. Nach Angaben des Marktforschers IMS Health könnte Teva jedoch eines der letzten Opfer dieser Situation sein. Die Talsohle sei durchschritten. „Es gibt Anzeichen für eine globale Erholung des Pharmamarktes“, schreibt IMS Health.