Pilotenstreik: Germanwings streicht 450 Flüge in ganz Deutschland

Köln/Berlin - Bei Germanwings wollen am Donnerstag und Freitag die Piloten streiken. Die Airline reagiert mit einem Ersatzflugplan. Unter www.germanwings.com und im Call-Center unter 0180-6320320 können Kunden den aktuellen Status ihres Fluges prüfen.

Sie streiken wieder, die Piloten. Diesmal trifft es die Lufthansa-Tochter Germanwings. Nach Angaben des Billigfliegers fällt am Donnerstag und Freitag etwa die Hälfte der geplanten 900 Flüge aus. Die Germanwings-Flieger sind in Europa und auf innerdeutschen Strecken unterwegs.

158 Flüge wurden allein für diesen Donnerstag gestrichen. In Köln/Bonn fallen laut Ersatzflugplan 40 der geplanten 84 Flüge aus, in Düsseldorf sind es ebenfalls 40. Der Flughafen schätzt die Zahl der betroffenen Passagiere auf 3600. Es wird erwartet, dass auch viele Reisende auf die Bahn umsteigen. Walter Römer, Sprecher des Köln-Bonner Flughafens erwartet „das Gegenteil von Chaos“. In den vielen Streiks der vergangenen Monate habe sich gezeigt, dass Germanwings die meisten Passagiere rechtzeitig vor Beginn des Streiks informiert habe so dass sie gar nicht erst zum Flughafen gekommen seien. An den Schaltern dürfte es morgens deshalb auch leerer sein als sonst, erwartet Römer.

Bei den rund 450 Starts und Landungen, die durchgeführt werden sollen, kommen  gecharterte Maschinen und Piloten, die sich nicht am Arbeitskampf beteiligen, zum Einsatz.  Nicht betroffen sind die Strecken, die die Lufthansa Passage selbst bedient, das sind insbesondere die Flüge zu den  beiden großen Umsteigeflughäfen der Lufthansa in Frankfurt und München. Germanwings wollte gestern noch im Laufe des Nachmittags einen Notflugplan erstellen.

Es handelt sich um die elfte Arbeitskampfaktion in gut einem Jahr. Es geht in dem verfahrenen Konflikt um die Konditionen für die Frührente der etwa 5000 Piloten, für die der sogenannten Konzerntarifvertrag gilt; das sind neben Germanwings und LH Passage auch noch die Flugzeugführer der Frachtsparte.  

Die Pilotenorganisation Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, man sehe sich zu dem Ausstand gezwungen, weil es bei der Lufthansa an einem „Einigungswillen“ fehle. Man habe das Management  schon Ende vorigen Jahres  aufgefordert, eine „nachhaltige Befriedigung“ des Tarifkonflikts herbeizuführen. Die Lufthansa beharre aber auf einer „deutlichen Verschlechterung bis zu Abschaffung der Übergangsversorgung für junge Piloten“.  Das sei nicht akzeptabel. Die VC habe mehrfach Vorschläge unterbreitet, wie eine Lösung gefunden werden könne. Dazu zähle unter anderem die sogenannte Gesamtschlichtung.

Der Hintergrund: Bislang können Piloten nach dem 55. Geburtstag zu günstigen Konditionen in Frührente gehen. Die Lufthansa will erreichen, dass das bei neu eingestellten Flugzeugführern künftig erst ab 60 möglich sein soll, und die Manager machen darauf aufmerksam, dass schon jetzt die Frauen und Männer im Cockpit im Schnitt mit 59,5 Jahren erst aus dem aktiven Dienst ausscheiden und die Übergangsversorgung in Anspruch nehmen. Man sei sich  bei vielen Punkten einig, sagte ein Sprecher. Die noch offenen Punkte ließen sich in einer „Teilschlichtung“ klären.

Piloten befürchten Absenkung des Gehaltsniveaus

Die Gesamtschlichtung lehnt die Lufthansa hingegen ab. Dabei würde es unter anderem um Punkte gehen, die bislang noch gar nicht verhandelt worden sind. Die VC will aber auch diesen Weg nutzen, um über die Besitzstände der Piloten beim anstehenden Groß-Umbau der Lufthansa zu verhandeln. Germanwings soll gemeinsam mit Eurowings, einer weiteren Tochter, zu einem Billigflieger für Europa ausgebaut werden. Die Piloten befürchten, dass die Umstrukturierung dazu führen könnte, dass im gesamten Konzern das Gehaltsniveau für Piloten früher oder später massiv abgesenkt wird.

Bei Eurowings, die bislang kurze Strecken mit kleinen Regionaljets fliegt, liegt das Gehalt der Piloten bis zu 40 Prozent unter Niveau des Konzerntarifvertrages. Die Lufthansa hat aber deutlich gemacht, dass beim bevorstehenden Zusammengehen von Germanwings und Eurowings  keine Gehaltseinbußen für Germanwings-Piloten geben werde. Überdies lehnt das Management Verhandlungen mit der VC über die Billigstrategie ab, da es sich hier um unternehmerische Entscheidungen handele. Die Lufthansa steht durch die Konkurrenz der erfolgreichen Billigflieger Ryanair und Easyjet auf der einen und die staatlich unterstützte Airlines vom Persischen Golf massiv unter Druck. Das Kostenniveau der Rivalen liegt bis zu 40 Prozent unter dem der Lufthansa.         

Der intensive Wettbewerb untergräbt das Geschäft von Deutschlands größter Fluggesellschaft  bereits: Voriges Jahr senkte der Konzern zweimal die Gewinnprognose. Für 2014 rechnet Europas größte Luftfahrtgruppe nun mit einer Milliarde Euro operativen Gewinn. (mit Reuters)