In den Boomzeiten der New Economy um die Jahrtausendwende gehörte die Internet-Agentur Pixelpark zu den ganz großen Stars. Die Anleger liebten das Berliner Start-up-Unternehmen. An der Börse war die Firma zeitweise fast so viel wert wie die Lufthansa. Nachdem die Blase an den Aktienmärte platzte, verlor auch die Pixelpark-Aktie dramatisch an Wert. Durch die Kursverluste haben die Anleger bereits den Großteil ihres Vermögens verloren.

Noch immer dürften viele Anleger Pixelpark-Aktien in ihren Depots liegen haben. Doch mit diesen Aktien können ihre Besitzer nun praktisch nichts mehr anfangen: Zum Jahresende 2014 verabschiedete sich Pixelpark von der Börse. Klammheimlich. Am 20. November hatte Vorstandschef Horst Wagner sämtlichen deutschen Börsen, an denen die Pixelpark-Aktie notiert war, gekündigt.

Angeblich aus Kostengründen

Damit steht Pixelpark bei weitem nicht alleine da. Zahlreiche Unternehmen haben die Börse bereits verlassen oder planen dies. Aus Berlin und der Region sind es neben Pixelpark unter anderem Kofler Energies, Solarpraxis, Deutsche Eigenheim, Magix, Wallstreetonline Capital und Studio Babelsberg.

Die Unternehmen rechtfertigen den Schritt fast alle mit dem selben Argument: Die Börsennotierung lohne sich aus Kostengründen nicht mehr. Der Börsenhandel bedeute „einen für die Gesellschaft nicht unerheblichen Kostenaufwand. Dieser Aufwand entfällt mit Aufgabe der Börsennotierung, was der geschäftlichen Entwicklung der Gesellschaft förderlich sein wird“, lautete die Begründung von Pixelpark.

Der Grund, warum sich die Rückzüge von der Börse derzeit so häufen: Im Oktober 2013 hat der Bundesgerichtshof (BGH) nämlich beschlossen, dass Unternehmen die Börse verlassen dürfen – also ein sogenanntes Delisting durchführen –, ohne dazu einen Beschluss von ihren Aktionären auf der Hauptversammlung zu erwirken.

Nicht einmal ein Abfindungsangebot für ihre Aktien müssen die Firmen den Anlegern unterbreiten. „Für viele Unternehmen war das ein Freibrief, um sich gegen den Willen der Aktionäre von der Börse zu verabschieden“, ärgert sich Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Leidtragende sind die Kleinanleger, weil es für sie sehr schwierig wird, ihre Aktien zu einem fairen Preis zu verkaufen.“

Auch die Frankfurter Wertpapierbörse, die mit Abstand größte und wichtigste Börse in Deutschland, trägt eine Teilschuld an der Abwanderungswelle: Sie hat die Zulassungsbedingungen verschärft. Den Freiverkehr, an dem sich kleine Unternehmen kostengünstig und ohne viele Bedingungen notieren lassen konnten, hat sie faktisch abgeschafft. Offiziell gibt es ihn zwar noch, doch müssen Firmen, die dort notiert sind, parallel mindestens noch an einer anderen deutschen Börse gehandelt werden – zu viel Aufwand für so manches kleine Unternehmen, das spitz rechnen muss.

Zwar gibt es jetzt ein Segment namens Entry Standard, das kleinen Unternehmen den Zugang zur Börse erleichtern soll, doch auch dort werden einige Anforderungen gestellt: Unter anderem muss das Grundkapital mindestens 750.000 Euro betragen, zudem muss die Firma einen Halbjahresabschluss vorlegen und wesentliche Firmennachrichten sofort veröffentlichen.

All das wollen oder können nicht alle Firmen erfüllen. Besonders ärgerlich für Kleinanleger ist, dass die Unternehmen ihr Delisting nur sechs Wochen im Voraus ankündigen müssen. Sie schicken der Börse ein Kündigungsschreiben und teilen das auf ihrer Internet-Seite mit, das war’s. Manche Anleger bekommen es womöglich gar nicht mit.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie Kleinanleger ihre Aktien nach dem Börsenaus verkaufen können.